Betreiber sorgt sich um seine Existenz

Zuwegung zum Osterburger Biesecafé gesperrt: „Sollen wir im Winter dichtmachen?“

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Seit Montag kann das Osterburger Biesecafé von Lieferanten nicht mehr direkt angefahren werden.

Osterburg – Jörg Schütze macht sich Sorgen. Es geht ihm um nichts weniger als um seine berufliche Existenz. Gemeinsam mit seiner Frau betreibt er das Biesecafé.

Seit vergangenen Montag hat ihm die Stadt die Zuwegung gesperrt, sodass keine Lieferanten mehr bis vor das Café fahren können.

„Ich habe ein Schreiben bekommen, dass dort Poller aufgestellt werden. Gespräche über eine andere Lösung hat es nicht gegeben“, ärgert sich Schütze, der sogar bereit gewesen wäre, sich an elektrischen Pollern finanziell zu beteiligen. Diese hätten aus den Lkw der Lieferanten heraus betätigt werden können, um so den Weg frei zu machen. Auch eine Lösung wie etwa bei den Pollern vor dem August-Hilliges-Platz ist nicht vorgesehen. Diese können dort von einigen Lieferanten der Stadtpassage mithilfe von Schlüsseln kurzzeitig aus dem Weg geräumt werden.

Mitarbeiter Marcel Hentschel und Inhaber Jörg Schütze (v.l.) am Stein oder besser gesagt den Pollern des Anstoßes. Es ist nicht mehr möglich, mit dem Auto bis vor das Biesecafé zu fahren.

Besonders großes Kopfzerbrechen bereitet Schütze und auch seinem Mitarbeiter, Marcel Hentschel, dass es gleich in mehrfacher Hinsicht zu Umsatzeinbußen für das Café kommt. „Wir haben auch einen Lieferservice, aber der ist in seiner jetzigen Form nicht mehr aufrechtzuerhalten, weil wir viel zu viel Zeit verlieren. Schwierig ist es auch beim Catering für Geburtstage und andere Feste, nicht zuletzt weil die Behälter sehr schwer und auch sehr heiß sind“, ergänzt Hentschel.

„Hier hängen Existenzen dran“, verdeutlicht Betreiber Schütze die Dramatik. Erst kürzlich konnte ihm kein Gas geliefert werden. „Sollen wir hier im Winter dichtmachen oder in einem kalten Café sitzen?“, wird er fast ein wenig sarkastisch.

Enttäuscht von der Stadt Osterburg ist er auch deshalb, weil er in den vergangenen Jahren sehr zufrieden mit der Zusammenarbeit war. „Wir sind in die Aktivitäten der Stadt vielfach involviert. Beim Stadt- und Spargelfest hatten wir einen Stand, und auch beim Radrennen haben wir uns gerne um die Versorgung der Besucher mit Essen und Getränken gekümmert.“

Ratlos ist Schütze, wenn es um den Grund geht, warum die Stadt die Zuwegung zum Biesecafé für den Lieferverkehr gesperrt hat. Zwar sei ihm bewusst, dass es sich um einen Fuß- und Radweg handelt, doch auf angebliche Beschwerden von Anwohnern, die zu der Entscheidung geführt haben, kann er sich keinen wirklichen Reim machen. Es gab angeblich mal einen Vorfall, bei dem ein Kind zu Schaden kam und im anderen Fall sei es ein Hund gewesen, doch bei ihm selbst habe sich niemand gemeldet. „Ich bin weder von der Polizei noch von der Stadt zu den angeblichen Vorfällen befragt worden.“

Wichtig ist dem Betreiber des Biesecafés, das erwähnte sehr gute Verhältnis zur Stadt zu nennen, doch ebenso betont er seine große Enttäuschung über die jüngste Entscheidung. Verantwortliche bei der Hansestadt Osterburg waren gestern auf AZ-Anfrage hin nicht zu erreichen.

VON TOBIAS HENKE

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