Eigentümer will im Denkmal weiter am liebsten ein kleines Café einrichten – und kritisiert die Stadt

Zündende Idee für alte Tanke fehlt

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Ein Denkmal in Wandel und Verfall: Das Vorkriegsobjekt macht momentan einen wenig einladenden Eindruck. Wo früher getankt wurde und später Rinderbesamer stationiert waren, blättert die Farbe von den Außenwänden. Im Inneren des Gebäudes sieht es noch schlimmer aus. Die Uhr ist längst stehen geblieben. Egal, was aus dem Objekt nun werden soll, es wartet dort jede Menge Arbeit.

Osterburg. Die frühere Tankstelle zwischen Düsedauer Straße und Stendaler Chaussee avanciert immer mehr zum bizarren Fotomotiv. An Ostern beispielsweise sollen Gäste der Stadt reihenweise vor dem denkmalgeschützten Gebäude ihre Kameras haben klicken lassen.

An dem für Osterburg wenig schmeichelhaften Bild wird sich so schnell nichts ändern. Auch wenn Eigentümer Michael Dihlmann an seinem Plan, aus der Anlage einen besonderen Erlebnisraum und am liebsten ein kleines Café zu machen, nach wie vor festhält. „Die Idee ist sozusagen in der Parkposition, andere Projekte haben momentan einfach Priorität“, erklärt der Biobauer aus Busch gegenüber der AZ. Wobei der gebürtige Baden-Württemberger auch keinen Hehl daraus macht, dass er sich vonseiten der Stadt mehr Unterstützung wünschen würde.

Das Objekt soll aus den 1930er-Jahren stammen. Bis in die 70er-Jahre hinein Tankstelle, hatten dort danach unter anderem Rinderbesamer ihre Büros. Sie verorgten die Zuchtbetriebe in Osterburg und Umgebung von diesem Gebäude aus mit ausgewähltem Erbgut. Verblasste oder abblätternde Buchstaben zeugen noch von dieser Vergangenheit. Dihlmann hat die Ex-Tankstelle vor gut vier Jahren erworben. Dass seitdem gar nichts passiert sei, stimme nicht. Das Objekt sei gesichert und trockengelegt worden. Alles andere werde die Zeit bringen. „Doch wie gesagt, in dem nächsten halben oder dreiviertel Jahr passiert dort nichts. Wir brauchen alle noch etwas Geduld. Eines ist allerdings klar: Es wird nicht abgerissen. Warum denn auch?“

Wenn in der früheren Tanke tatsächlich ein Café entsteht, sollen die Gäste auch auf dem Dach Platz nehmen können und nicht nur unten. Von dort oben hätten nicht zuletzt Technikfreunde einen einzigartigen Blick auf einen der verkehrsreichsten Punkte der Stadt. Ob die Genehmigungsbehörde solche Sitzgelegenheiten zulassen würde, daran hatte Dihlmann allerdings schon bei einem AZ-Gespräch im Januar 2014 selbst so seine Zweifel. Unabhängig davon hat die Café-Idee für den Familienvater aber weiterhin ihren Reiz. Vielleicht lasse sich das gesamte Ensemble ja auch möglichst originalgetreu herrichten, alte Bauunterlagen sind noch vorhanden. Wenn denn schon kein Benzin mehr fließt, dann doch zumindest Kaffee und andere Getränke.

„Wichtig ist doch, dass dort etwas passiert, und das behalte ich im Auge“, versichert der Landwirt. Womöglich komme ja auch noch die eine oder andere ganz neue und überraschende Idee hinzu. Was sich am Ende durchsetze oder miteinander verbinden lasse, müsse sich zeigen. Einem besonderen Stück Osterburger Gewerbegeschichte an zwei wichtigen Einfahrtsstraßen zum Zentrum soll neues Leben eingehaucht werden. Auch der Einzug eines Dönerladens oder auch eines anderen Geschäfts wäre so eine Möglichkeit.

Von Marco Hertzfeld

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