Graffiti, Mietschulden, Störenfriede: Osterburgs Wohnungsgesellschaft sieht Reibungspunkte

„Wird immer problematischer“

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Die Wand eines Blocks der Wohnungsgesellschaft an der Fröbelstraße ist mit Schmierereien übersät.

Osterburg. „Wir sind Teil dieser Stadt und teilen somit ihre Probleme, ganz klar.“ Rüdiger Mallohn ärgert sich über Schmierereien an Hauswänden und in Fluren. Die illegalen Sprühaktionen kosten der Wohnungsgesellschaft Geld, Zeit und Nerven.

Der Geschäftsführer des kommunalen Vermieters von 624 Wohnungen hat es aufgegeben, wirklich jedes Graffito umgehend beseitigen zu lassen. Einen extra Topf gegen das illegale Sprühen will der 60-Jährige nicht anlegen lassen. Die Beseitigung bezahle in der Regel letztendlich die Versicherung. „Ich hoffe einfach, dass das Ganze nicht weiter zunimmt.“

Ein Objekt der Wohnungsgesellschaft an der Brüderstraße war gerade mit hohem Aufwand saniert worden, da ist die Fassade auch schon beschmiert gewesen. Mallohn muss nicht lange überlegen, um weitere Beispiele der jüngeren Vergangenheit zu finden: Dem aufgehübschten Giebel eines Blocks an der Karl-Liebknecht-Straße erging es erst vor wenigen Monaten so. Selbst die Geschäftsstelle an der Lindenstraße hat es getroffen. Die Wand des Lagers ist mit Schriftzügen mutmaßlicher Fans des Fußball-Drittligisten 1. FC Magdeburg versehen worden. Gleich daneben steht das Schiller-Denkmal.

In Stendal lassen Großvermieter Fassaden ausgewählter Plattenbauten durch Graffitikünstler gestalten. So turnt an der Stadtseeallee King Kong und einige Straßen weiter ist ein übergroßes Chamäleon zu sehen. Alles legal und dennoch reine Geschmacksache, meint Mallohn. Die Wohnungsgesellschaft könne und wolle nicht 10.000 Euro und mehr für Wandbilder ausgeben. Überhaupt möge Osterburg eines bleiben, im Gleichgewicht. Die Zahl moderner Wandbilder sollte überschaubar bleiben, gerade in der Altstadt. Die historische Stadttor-Szene am Lies-Haus hält er noch für recht gelungen.

Immer weniger gelungen sei das Miteinander in bestimmten Quartieren. „Es wird immer problematischer. Gerade zwischen Mietern, die mehr als 50 Jahre dort leben, und Neuzugängen gibt es Reibungspunkte. Dabei sollten sich doch alle gegenseitig achten und die Spielregeln befolgen“, findet Mallohn. Die Wohnungsgesellschaft habe 2017 kurzen Prozess gemacht und sämtliche Reinigungsarbeiten für den Bestand einer Firma übergeben. „Sauberkeit, Ruhe und Ordnung sind und bleiben uns wichtig. Störenfriede, unter denen viele andere Mieter leiden, können wir einfach nicht dulden.“

Zunehmend schwierig sei es auch mit der Zahlungsmoral einiger Mieter. Allzu tief will sich der Geschäftsführer nicht in die Papiere schauen lassen. Bei Mietern mit hohen Schulden bleibe nur das letzte Mittel. Allein 2017 habe es immerhin fünf Räumungsklagen gegeben. Dass die Gegend wirtschaftlich nach wie vor eher schwach auf der Brust sei, Jobcenter und Landkreisrichtlinie zur Miete ihre eigene Sichtweise hätten, spiele auch eine Rolle. „Wir bemühen uns um jeden Mieter, doch wenn er immer wieder die Miete nicht zahlt oder sich nicht in die Gemeinschaft einordnen kann oder will, bleibt nur die Reißleine. Aber nicht zu vergessen: Der Großteil der Mieter ist vernünftig“, sagt Mallohn der AZ.

Von Marco Hertzfeld

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