Kristin Grünke vermisst Indoorspielplatz und andere Angebote / Ideen für Osterburgs Jugend gefragt

„Wird man hier vergeblich suchen“

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Kristin Grünke mit den Kindern Leni und Stanley. Die frühere Kreisstadt Osterburg ist für die Familie ein Dreh- und Angelpunkt.

Osterburg. „Es stehen so viele Gebäude und Hallen in Osterburg leer. Die Jugend könnte doch ein Objekt nutzen.“ Politik und Verwaltung lassen seit einiger Zeit ausgewählte Spielplätze herrichten.

„Dass es da noch nicht gelungen ist, weiterzudenken und einen Indoorspielplatz aufzubauen, meinetwegen auch mit privater Unterstützung, kann ich nicht verstehen“, sagt Kristin Grünke, Mutter dreier Kinder. In den sozialen Medien werde das Thema jedenfalls immer wieder diskutiert. Gerade in der kalten Jahreszeit fehle so eine überdachte, wettergeschützte Tobefläche in der Gegend. „Es müsste ja nicht gleich eine 30-Meter-Kletterwand sein, ein paar Geräte und Matten würden für den Anfang schon reichen.“

Die 33-Jährige ist in Lenzen (Prignitz) geboren, hat viele Jahre in Flessau und Osterburg gelebt und wohnt seit einiger Zeit in Bretsch. Von der früheren Kreisstadt kann und will die Erzieherin nicht lassen. Mutter, Oma, ja die halbe Familie lebt in Osterburg. „Ich bin hier verwurzelt, oft zu Besuch und auch einfach nur mal so unterwegs. Es bleibt irgendwie auch meine Stadt.“ Wie sehr sie mit ihrer kritischen Sicht auf die Angebote für Kinder und Jugendliche richtig liege, zeigten die zahlreichen Wortmeldungen in den sozialen Netzwerken. „Vielleicht sollten wir uns alle einfach ein Stück weit auch organisieren.“

Grünke ist früh Mutter geworden, ihr erstes Kind zählt 17 Lenze, die anderen beiden sind zehn und vier Jahre alt. „Vielleicht habe ich ja unter anderem auch deshalb einen recht guten Draht in den Bereich.“ Dass in Osterburg spätestens gegen 19 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt würden, rege viele junge Leute auf. „Ein Café oder eine andere vernünftige Lokalität wird man dann hier vergeblich suchen.“ Der August-Hilliges-Platz an der Breiten Straße, der Einkaufsmeile Osterburgs, sei selbst bei wärmeren Temperaturen kein Ort zum Verweilen, auch wenn sich das die Stadtoberen anders wünschten. „Dort sitzen Leute, die Alkohol trinken und andere Menschen bepöbeln.“

Litfaßsäule am Rathaus. Inwieweit die Jugend in Osterburg auf ihre Kosten kommt, scheint auch Ansichtssache. 

Der zehnjährige Stanley spielt Fußball. Gerade für noch Jüngere passende Angebote zu finden, geschweige denn einen Verein, sei schwierig. Der Jugendklub an der Stendaler Straße leiste sicherlich wertvolle Arbeit, das jedoch eher für ältere Kinder. „Es ließe sich noch über so vieles diskutieren. Wer auf den schönsten Spielplatz der Stadt will, muss dafür bezahlen.“ Zwei, drei Euro Eintritt für das Biesebad seien für wirtschaftlich schwache Familien schon eine spürbare Ausgabe. Und in der Winterpause lägen das große Holzschiff und weitere Spielgeräte nun einmal unerreichbar hinter dem Zaun. „Dabei laden die Werderwiesen drum herum doch eigentlich immer zum Spaziergang ein. Schade, dort wird ein Angebot für junge Familien zeitweise einfach verschenkt.“

Grünke arbeitet in einem Kinderheim im westaltmärkischen Apenburg, der Weg zur Arbeit ist fast 40 Kilometer lang. Leni, die jüngste Tochter, besucht die Tagesstätte in Bretsch. „Wir sind ganz zufrieden.“ Und dennoch: Dass es im Norden des Landkreises und darüber hinaus keine einzige Einrichtung gebe, die rund um die Uhr geöffnet sei, störe zahlreiche berufstätige Mütter und Väter, ist sich die 33-Jährige sicher. Ein Kino gibt es in Osterburg schon lange nicht mehr, die Familie fährt dafür nach Wittenberge oder auch Salzwedel. Dass in der Biesestadt eine Diskothek existiert, darin sieht Grünke einen Lichtblick, auch wenn sie schon länger nicht mehr dort war. „Man könnte einiges mehr ansprechen, auch die Schwimmhalle, die für Erwachsene sicherlich toll ist, für Kinder aber nicht sonderlich viel bietet, selbst die Becken sind irgendwie alle ungeeignet.“ Die junge Mutter möchte sich mit anderen austauschen und vielleicht sogar eigene Ideen entwickeln. Sie ist erreichbar über kristingruenke@gmx.de.

Von Marco Hertzfeld

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