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„Wir wollen Lebenslust verbreiten“

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Gundula Lange und Werner Teichert ließen die AZ gestern schon einmal einen Blick in die Foto-Ausstellung an der Breiten Straße 52 werfen. Die Bilder von Veranstaltungen der regionalen Selbsthilfegruppe für Parkinson werden bei der Feier zum 20-jährigen Bestehen morgen den Mitgliedern präsentiert. © Lange

Osterburg. „Es hat auch immer Auswirkungen auf die Familie. “ Elke Kleintopf spricht über Parkinson. Eine Krankheit, die auch im Landkreis viele Betroffene zählt.

Zwei von ihnen ist es zu verdanken, dass sich im Mai 1992 die regionale Selbsthilfegruppe Osterburg-Stendal gegründet hat. Morgen feiern die Mitglieder in der Begegnungsstätte der Volkssolidarität in Osterburg ihr 20-jähriges Bestehen. Die beiden Gründer-Vorreiter Werner Teichert und Edith Hinze sind heute immer noch Mitglied in der Gruppe, deren Vorsitzende Elke Kleintopf ist.

Die Mitgliederzahl schwankte in den vergangenen Jahren immer zwischen 20 und 30. Dazu gehören dann aber nicht nur die Betroffenen, sondern auch Angehörige, die sich mit anderen über die Krankheit, ihre Symptome und Medikamente austauschen wollen. Denn: „Parkinson an sich führt nicht zum Sterben“, stellt Kleintopf klar. Man könne mit der Krankheit auch ein sehr hohes Alter erreichen. Physiotherapeutische Maßnahmen und Medikamente sind mittlerweile soweit entwickelt, dass die Patienten lange mit Parkinson leben können.

Die Gruppe ist dazu da, Leidensgenossen zu treffen, sich auszutauschen und besser mit dem Leidensdruck umgehen zu können. Interessenten für die Selbsthilfegruppe kommen immer wieder, aber es sei auch sehr schwierig, gesunde Menschen dafür zu interessieren, erklärt die Vorsitzende. Allerdings gebe es auch viele Betroffene, die sich einer Selbsthilfegruppe nicht anschließen wollen. Einen Grund sieht Kleintopf darin, dass man nicht immer nur Kranke um sich haben möchte. Parkinson nicht in den Mittelpunkt stellen möchte.

Und genau dem wirkt die Regionalgruppe entgegen. Natürlich wird auch über Therapien, Erfahrungen, Symptome und Medikamente gesprochen. Aber eben nicht nur. Dem Leben sollen vor allem positive Aspekte abgewonnen werden. „Wir wollen ein bisschen Lebenslust verbreiten.“ Dazu gehören allerlei kulturelle Veranstaltungen und neuerdings auch der Sitztanz. Einmal im Jahr verreisen die Mitglieder gemeinsam, in einem Rahmen, der auch eventuelle Behinderungen mit einschließt. „Das dient der Erhöhung der Lebensfreude“, begründet Kleintopf. Alle vier Wochen treffen sie sich in der Osterburger Begegnungsstätte der Volkssolidarität. Ein Problem dabei sei die Weitläufigkeit des ländlichen Gebietes. Einige Menschen können einfach nicht mehr kommen, obwohl sich da auch gegenseitig geholfen werde. In einer Großstadt wie Magdeburg ist ein Treffen dank der öffentlichen Verkehrsmittel einfacher zu verwirklichen. Dennoch sollen die vier Wochen immer eingehalten werden.

Die Mitglieder der Parkinson-Gruppe sind mittlerweile alle über 60 Jahre alt – sie sind in der Gemeinschaft alt geworden, so wie Werner Teichert, der Fotograf der Gruppe. Anlässlich des 20-jährigen Bestehens hat er eine Ausstellung über die Veranstaltungen und Treffen der Gruppe organisiert, die sich die Mitglieder morgen an der Breiten Straße 52 gemeinsam ansehen wollen. Auch andere Interessierte können sich die Bilder ansehen, wenn sie sich vorher bei Teichert melden. Die Feierstunde ist morgen nur für geladene Gäste. Unter ihnen sind auch zwei Mitglieder der Parkinson-Selbsthilfegruppe aus Schönebeck, die im April ihr rundes Jubiläum feierten und ebenfalls Stendaler und Osterburger Gäste begrüßen konnten. Das Netzwerk funktioniert.

Gerade in Osterburg habe sich das Verständnis für die Krankheit Parkinson in den vergangenen Jahren, seitdem es die Gruppe gibt, sehr verbessert. „Ich habe in Osterburg nichts Schlechtes mehr über Parkinson-Kranke gehört“, erklärt die Gruppen-Vorsitzende gegenüber der AZ.

Das nächste Treffen findet am 29. Juni in der Begegnungsstätte der Volkssolidarität in Osterburg statt. Los geht es 14 Uhr. Interessierte sind da jederzeit willkommen, egal ob Betroffener oder Angehöriger.

Von Bianca Lange

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