Testphase zeigt: Streusalz unverzichtbar / Nabu warnt vor Folgen / Und: Kein Platz für Kufenflitzer

Winterdienst nicht auf Sand gebaut

Fluch und Segen zugleich: Streusalz macht Osterburgs Winterstraßen sicherer, kann in der Folge aber durchaus das Pflaster und Gebäude schädigen. Zudem können die Natrium- und Chloridionen nicht zuletzt die Struktur des Bodens negativ beeinflussen. Foto: dpa

Osterburg. Die Hansestadt wollte in diesem Winter so gut wie ganz auf Streusalz verzichten. In der Praxis bringt das allerdings eine große Schwierigkeit mit sich. „Es funktioniert in der Regel nicht, weil der reine Sand oftmals sehr feucht ist, gefriert und verklumpt.

Er kann so nicht in die Maschinen verbracht und auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen verteilt werden“, erklärt Matthias Frank, der Ordnungsamtsleiter der Einheitsgemeinde, auf Anfrage der AZ. Dennoch seien die Mitarbeiter der Stadtwerke Osterburg, des Winterdienstes, auf den die Kommune einen Einfluss hat, natürlich grundsätzlich angehalten, wenig bis gar kein Salz zu verwenden, allein schon aus ureigenen wirtschaftlichen Gründen.

Der Auftrag, möglichst sparsam mit dem Salz umzugehen, hat noch einen anderen Grund. Gerade in der sanierten Osterburger Altstadt sollen die Kristalle in den vergangenen Jahren beträchtliche Schäden angerichtet haben. Bauteile aus Beton seien genauso betroffen wie Naturstein. Der Bau- und Wirtschaftsausschuss hatte sich im September darauf verständigt, die Fahrzeuge der Stadtwerke in einer Testphase allenfalls ein Gemisch aus reichlich Sand und verschwindend wenig Salz einsetzen zu lassen. Nach dem Winter 2013/14 wollen Politik und Verwaltung dann tiefer in die Materie einsteigen, zumal vermutet wird, dass mitunter auch mangelhaftes Baumaterial eine Rolle spielen könnte.

Der Naturschutzbund (Nabu) möchte das Streusalz am liebsten ganz und gar aus Dörfern und Städten verbannt sehen. „Die Auswirkungen von Streusalz sind vielfältig: Das Salz gelangt über den Boden in die Pflanzen und verändert dort den Nährstoffhaushalt. Die Folgen zeigen sich oft erst im Frühjahr und Sommer, wenn salzgeschädigte Straßenbäume trotz ausreichender Niederschläge allmählich vertrocknen“, meint Annette Leipelt, die Landes-Geschäftsführerin des Nabu. Nicht nur Pflanzen litten unter dem Salz. „Tiere entzünden sich am Streusalz sogar die Pfoten. Daher der Appell an Tierfreunde, auch an Hunde und Katzen zu denken. Außerdem kann das Salz zur Versalzung des Grundwassers beitragen. Neben den ökologischen Folgen verursacht Streusalz auch ökonomische Schäden wie die Korrosion an Brücken und Kraftfahrzeugen.“ Der Nabu hält es für besser, salzfreie, abstumpfende Streumittel wie Granulate, Split, Sand oder Kies einzusetzen.

Von Streumitteln, egal welchen, halten Schlittschuhläufer naturgemäß überhaupt nichts. In den nächsten Tagen sollen die Temperaturen wieder stärker in den Keller gehen. Teiche und Seen würden weiter zufrieren. Es gibt Kommunen, die prüfen die Dicke ihrer Eisflächen und geben sie dann offiziell für Kufenflitzer und andere Wintersportler frei. „So etwas machen wir nicht“, betont Ordnungsamtsleiter Frank. Das Schlittschuhlaufen auf öffentlichen Gewässern sei verboten. Wer die Eisfläche betritt, der mache das auf eigene Gefahr. Somit bleiben allein die Eispartys auf den knöcheltief überfluteten Werderwiesen, die für das Wochenende angekündigt sind.

Die Bürger kämen dieser Tage gut mit Eis und Schnee zurecht, wenngleich es noch einige Abschnitte in privater Verantwortung gebe, die nicht ganz so ordentlich hergerichtet seien. Zur Erinnerung: Grundstückeigentümer müssen an den Winterdienst denken. Bis zu 1,20 Meter breite Geh- und Radwege sind komplett von Eis und Schnee zu befreien oder abzustumpfen. Alle anderen Wege müssen derartig mindestens auf einer Breite von 1,20 Meter behandelt werden. Der Schnee kann an der Bordsteinkante liegen bleiben. Grundstückeigentümer sind werktags zwischen 6 und 20 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen von 8 bis 20 Uhr in der Pflicht. Wer abwesend ist, der kann andere mit den Arbeiten beauftragen. Auch Privatleuten rät Frank, mit Streusalz sparsam umzugehen.

Die Straßenmeistereien mischen übrigens in der Regel Salz mit Sole. Allein die Straßenwärter des Landkreises betreuen mit ihren Fahrzeugen von Osterburg und Tangermünde aus insgesamt fast 500 Kilometer Straße in der östlichen Altmark und im Elbe-Havel-Winkel. Zusammen mehr als 1000 Tonnen Salz waren zum Saisonstart an beiden Standorten gelagert.

Von Marco Hertzfeld

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