Altkreis bleibt bei akustischem Modellprojekt des Landes außen vor

Wildwarner sehen blau: Reflektoren ohne Piep

Einer der blauen Reflektoren an der Landesstraße zwischen Walsleben und Düsedau.
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Einer der blauen Reflektoren an der Landesstraße zwischen Walsleben und Düsedau.
  • Marco Hertzfeld
    VonMarco Hertzfeld
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Osterburg. Weil die L  14 momentan als Umleitungsstrecke dient, fallen sie mehr Leuten auf. Insbesondere zwischen Walsleben und Düsedau wurden an Leitpfosten blaue Reflektoren montiert. Auch an der B  189 zwischen Osterburg und Seehausen tauchen diese Elemente verstärkt auf.

Während die üblichen weißen Reflektoren dem Fahrer bei Dunkelheit, Nebel oder Schnee die Orientierung erleichtern können, sollen die blauen Exemplare Reh, Hirsch und Wildschwein davon abhalten, auf die Straße zu laufen, wenn sich ein Fahrzeug nähert. Mit einem neuen Modellprojekt habe das Ganze allerdings nichts zu tun, sagt Manfred Krüger, Leiter der Landesstraßenbaubehörde in Stendal. Das setzt vornehmlich auf akustische Störsignale gegen Wild.

Seit wann genau und wie viele blaue Reflektoren bereits im Landkreis Stendal installiert wurden, kann Krüger nicht sagen, weil darüber schlichtweg nicht Buch geführt werde. Ihre Zahl dürfte aber noch zunehmen. Die Reflektoren werden auf Antrag der Jagdpächter von diesen selbst montiert, die Landesstraßenbaubehörde muss diese Anträge genehmigen. Blau habe derzeit Vorrang, weil neueste wissenschaftliche Erkenntnisse ergeben hätten, dass diese Farbe am wirksamsten sei. Wenn die Scheinwerfer auf die Reflektoren treffen, strahlen diese blaues Licht ab. Und genau das sollen Wildtiere als unruhig und gefährlich empfinden und die Straße in diesem Moment meiden.

Fachleute seien sich darüber uneinig, ob Reflektoren überhaupt „der Stein der Weisen“ seien, meint Krüger im Gespräch mit der AZ. Die herkömmlichen Methoden sind bekannt: CDs an Bäumen und Duftzäune gegen allzu umtriebige Tiere und natürlich Verkehrsschilder, die Autofahrer an einschlägigen Stellen vor Wildwechsel gerade in der Dämmerung warnen. Krüger kann und will nicht über die Wirksamkeit einzelner Methoden spekulieren und auch nicht darüber, inwieweit Reflektoren tatsächlich das Unfallgeschehen beeinflussen, auch wenn die eine oder andere Studie das bereits belegen soll. Wichtig sei, dass etwas passiert und weiter geforscht werde. Fest steht: Die auffälligen blauen Elemente an Leitpfosten sind seit einiger Zeit weiter auf dem Vormarsch und verdrängen somit auch die roten.

Das Land lässt Medienberichten zufolge ab diesem Frühjahr an vier von Wildunfällen besonders betroffenen Strecken insgesamt fast 200 akustische Warnmelder (Pieptöne) aufstellen und ab Herbst testen, zwei erhalten zusätzlich optische Vorrichtungen, blaue Planken an Fahrbahnpfosten. Zu den Teststrecken gehört demnach die B  107 bei Neuermark-Lübars im Landkreis Stendal. Das erklärte Ziel: spürbar weniger Wildunfälle in Sachsen-Anhalt. Ihre Zahl soll sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten fast verdreifacht haben. Allein für 2016 wurden fast 14 000 Fälle registriert. Landesweit waren Vorkommnisse mit Wild in diesem besagten Jahr erstmals die Unfallursache Nummer eins. Die beiden altmärkischen Landkreise liegen in der Statistik der Polizei weit vorn.

Von Marco Hertzfeld

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