Osterburgs Flüchtlingsprojekt abgeschlossen / 200 Fahrräder aufbereitet / Ehrenamtliche Helfer räumen letzte Drahtesel raus

Werkstatt ade: „Wir waren nicht nur Schrauber“

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Rainer Moser (r.) und Konrad Werner schließen die Fahrradwerkstatt zu. Das Flüchtlingsprojekt ist beendet.

Osterburg. Mindestens 200 Fahrräder aus zweiter Hand sind in der Werkstatt mit und für Flüchtlinge aufbereitet worden. „Wir waren in den gut zwei Jahren nicht nur Schrauber, sondern haben auch versucht, den Leuten unsere Kultur und so manch deutsches Wort näherzubringen.

Und alles ohne erhobenen Zeigefinger“, sagt Rainer Moser der AZ. Der Königsmarker hat sich nicht zuletzt mit Konrad Werner, Peter Neumann und Horst Guse ehrenamtlich für Menschen aus Syrien, Afghanistan und weiteren Ländern eingesetzt. „Beschäftigung ist die beste Integration“, ist der Kommunalpolitiker fest überzeugt. In Spitzenzeiten griffen 20 Flüchtlinge zum Werkzeug, danach wurden es immer weniger, nur einige Familien leben noch in der Gegend. Gestern hat ein Schrotthändler die restlichen Drahtesel abgeholt.

Die Fahrräder seien allesamt gespendet worden. „Wir mussten gar nicht viel sagen und für unser Projekt werben. Die Bürger haben es im besten Sinne des Wortes mitgetragen.“ Umsonst durften die Migranten ein aufgepepptes Vehikel nicht aus der Werkstatt in der Musikmarkthalle schieben. „Fünf bis zehn Euro wollten wir schon haben. Was nichts kostet, ist nichts wert“, meint Moser verschmitzt. Räder aus Osterburg hätten es sogar über die Gemeindegrenzen hinaus geschafft. „Ich glaube, mindestens eines in der Kreisstadt Stendal gesehen zu haben.“ Auch so habe alles seine Ordnung gehabt: Sogar an Fahrradpässe hatten die Initiatoren gedacht.

Filip Mäder, Mitarbeiter des Ordnungsamtes, überbrachte den ehrenamtlichen Schraubern Grüße und ein Dankeschön von Bürgermeister Nico Schulz. Ein paar wenige Fahrräder hat die Stadt zur Seite geschoben und nicht dem Schrotthändler überlassen. Sie seien ganz gut in Schuss und sollen am 11. April ab 14 Uhr auf dem Hof der Ernst-Thälmann-Straße 10 mit Fundsachen versteigert werden. Die Musikmarkthalle ist leer geräumt. Die Stadt hat den gesamten Komplex Großer Markt 14/15 an einen Geschäftsmann verkauft.

Von Marco Hertzfeld

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