Werbener Arbeitskreis vor dem Aus?

Mehrfach zählten Ires Adler und Heinz Hilscher die Stimmen aus. Doch in zwei Wahlgängen gab es weder für Siegfried Tulke (l.) noch für Helga Kirstein (3.v.l.) eine Mehrheit.

Werben - Von Matthias Mittank. Ein tiefer Riss geht durch den Arbeitskreis Werbener Altstadt. Seit der Jahreshauptversammlung am Freitagabend, die nach zwei ungültigen Wahlgängen mit hitzigen Wortgefechten und Austrittserklärungen endete, hat der Verein keinen Vorstand mehr. Selbst der Lüneburger Curt Pomp, Initiator des Arbeitskreises, will nicht mehr mitmachen. Der nunmehr geschäftsführende Vorsitzende Siegfried Tulke konnte sich mit den Mitgliedern auf eine Fortsetzung der Versammlung in vier Wochen einigen. Ob sich die Mitglieder dann wieder zusammenraufen, ist angesichts der Reibereien am Freitagabend mehr als fraglich.

Eigentlich könnten die Mitglieder des Arbeitskreises Werbener Altstadt stolz auf das Geleistete des vergangenen Jahres sein. Erlebten die Werbener und ihre unzähligen Gäste mit zwei Biedermeier-Märkten, Benefizkonzerten und weiteren Veranstaltungen sehr gut besuchte Events in ihrer kleinen Hansestadt, die weit über die Region hinweg Beachtung fanden. Auch beim Erhalt der historischen Bausubstanz konnten 2009 weitere Fortschritte gemacht werden, wie Vorsitzender Siegfried Tulke und Schriftführer Harro Ohm in ihren Berichten ausführlich darstellten. Werben, ein Kleinod in der Altmark, ist in den zurückliegenden Jahren schöner, lebenswerter und bekannter geworden – die Ziele des seit sechs Jahren agierenden Arbeitskreises wurden erfüllt.

Doch weit weniger stolz können die Mitglieder auf die Jahreshauptversammlung am Freitagabend sein, die im Sitzungssaal des Rathauses ein unrühmliches Ende nahm. Tulke verwies zwar immer wieder darauf, dass die erfolgreiche Arbeit des Vereins nur durch den freundschaftlichen Umgang der Mitglieder untereinander möglich war – doch mit der Freundschaft scheint es nicht weit her zu sein, wie sich im weiteren Verlauf der Mitgliederversammlung und insbesondere bei der Vorstandswahl zeigte.

Bevor die Zettel für die geheime Wahl ausgeteilt wurden, stand zunächst die Frage im Raum, wer eigentlich abstimmen dürfe. Pensionär Erich Jung und Ehefrau Ina Jung – Lüneburger, die in Werben ein Haus haben – hatten nur wenige Tage zuvor ihre Aufnahmeanträge eingereicht und waren verwundert darüber, dass sie nicht auf der Anwesenheitsliste standen. Jeder könne Mitglied im Arbeitskreis werden, der Vorstand würde über die Aufnahme entscheiden, erläuterte der Vorsitzende. Doch seit den Anträgen hätte es keine Vorstandssitzung mehr gegeben, so die Begründung. Dass es mit der Bearbeitung der Anträge schon einmal länger dauern könne, darauf verwies Sieglinde Maurischat aus Bad Salzuflen, die eigenen Aussagen zufolge erst nach einem Dreivierteljahr aufgenommen wurde.

Zurück zur Wahl der Vorsitzenden: Als Kandidatin für den neuen Vorsitz wurde Helga Kirstein vom zweiten Vorsitzenden Curt Pomp ins Spiel gebracht. Und auch die erneute Kandidatur von Siegfried Tulke regte ein Mitglied an. Doch Kirstein stellte im Vorfeld klar: „Wenn Siggi weitermacht, kann ich nicht mehr. Dann bin ich ganz raus“. Die Entscheidung lag schließlich in den Händen von 22 stimmberechtigten Mitgliedern.

Für die weitere Versammlung nicht gerade förderlich, ging die Wahl mit elf zu elf Stimmen aus – auch eine Wiederholung des Wahlgangs änderte daran nichts. Hitzige Debatten über die weitere Vorgehensweise folgten. Sieglinde Maurischat regte an, sofort über die Neuaufnahmen zu entscheiden und die Wahl dann zu wiederholen – doch das gebe die Satzung nicht her, wie Harro Ohm klarstellte. Schließlich sei der alte Vorstand entlastet und somit nicht mehr befugt, darüber zu entscheiden. „Wir lassen uns nicht vorwerfen, nicht satzungsgemäß gehandelt zu haben, so wie es schon einmal war“, so der Schriftführer. Auch der Vorschlag von Wahlleiter Heinz Hilscher, die Kandidaten sollten sich unterein-ander über den ersten und zweiten Vorsitz einigen, wurde abgewiesen. Wolfgang Tacke aus Magdeburg – auch er hatte kurzfristig einen Aufnahmeantrag gestellt – verwies darauf, dass die Einberufung einer Vorstandssitzung, auf der über Neuaufnahmen entschieden werden könne, direkt vor der Jahreshauptversammlung gang und gäbe wäre.

Es führte letztlich kein Weg daran vorbei – die Versammlung musste vertagt werden. Der Terminvorschlag 23. April führte schließlich zum Eklat. Curt Pomp erklärte, er hätte an diesem Tag bereits etwas vor. Einen Gegenvorschlag konnte er allerdings auch nicht unterbreiten – der Terminplaner lag zu Hause. Dies macht ihm Tulke zum Vorwurf. Pomp holte im Anschluss zum Rundumschlag aus. „Als ich nach Werben kam, war ich schwer begeistert“, führte der Arbeitskreisinitiator aus. Doch als er das Biedermeierkonzept für die Stadt entwickelte, habe er nicht ahnen können, dass der Vorstand „nichts im Kopf“ hätte. Unter massiven Protesten entschuldigte sich Pomp schließlich dafür und erklärte, dass er von der anfänglichen Begeisterung nichts mehr spüre. „Ich bin nicht mehr dabei“, so Pomp. Im heillosen Durcheinander erklärten auch Helga Kirstein und Sieglinde Maurischat ihre Austritte. Erich Jung zog mit Verweis auf die fehlende Demokratie im Verein seinen Aufnahmeantrag zurück.

Ob sich der Arbeitskreis wieder zu einem Team zusammenfindet, bleibt abzuwarten. Die Jahreshauptversammlung findet am Freitag, 23. April, ab 19.30 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses ihre Fortsetzung.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare