„Ein Tropfen auf den heißen Stein“

Waldbrände: Stadtwehrleiter Sven Engel fordert mehr Lösch-Tanker in Sachsen-Anhalt

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Der große Waldbrand bei Seehausen geriet zeitweise außer Kontrolle. 550 Feuerwehrleute kämpfen Mitte September vergangenen Jahres gegen die Flammen. Eine Bahnlinie musste gesperrt werden.

Osterburg – Stadtwehrleiter Sven Engel macht sich große Sorgen. Der Boden sei an vielen Stellen staubtrocken. Brände drohen. „Der Regen der letzten Tage ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Waldbrandgefahrenstufe 4 oder gar 5 erreichen wir immer häufiger."

Der Osterburger wünscht sich eine gemeinsame Offensive, auch wenn Brandschutz erst einmal eine rein kommunale Aufgabe ist.

„Der Landkreis muss sich in Magdeburg für Fördermittel starkmachen. “ Das vom Land angekündigte eine Vegetations-Tanklöschfahrzeug pro Landkreis reiche nicht aus. „Der Fuhrpark muss viel stärker auf Wasserträger umgestellt werden, das kostet eine Menge Geld und Zeit. Und: Wir müssen jetzt damit beginnen. “.

Sven Engel, Stadtwehrleiter.

Den Dürre-Monitor im Internet schaut sich Engel mit wachsender Unruhe an. Besonders betroffen sind die östlichen Bundesländer und dort nicht zuletzt Sachsen-Anhalt und die Altmark. Die Region ist in großen Teilen tiefrot eingefärbt. Die Bodenfeuchte scheint bereits so niedrig wie im Juli 2018.

Bei anhaltender Trockenheit könnte die Republik auch nach Einschätzung des Deutschen Wetterdienstes auf einen weiteren Dürresommer zusteuern. Zu Beginn der Vegetationsperiode seien die Böden deutlich trockener als im sogenannten vieljährigen Durchschnitt. Selbst wenn es noch richtig regnen sollte, bleibe die Bodenfeuchte erst einmal weit unter dem Mittelwert. Für die Feuerwehren keine guten Nachrichten.

„Wir hatten alle darauf gesetzt, dass sich der Wasserhaushalt in der Natur über den Winter wieder ausgleicht.“ Das ist nicht passiert. Vielerorts in der Einheitsgemeinde sind die Brandschützer auf Flachspiegelbrunnen angewiesen. „Irgendwann könnte uns das Wasser ausgehen“, befürchtet Engel. Die Stadtwehr verfügt aktuell über gerade einmal ein Tanklöschfahrzeug und zwei Löschfahrzeuge und möchte unbedingt aufrüsten. Der größte Wassertank nehme momentan maximal 2000 Liter auf. „Fahrzeuge mit einem Fassungsvermögen zwischen 4000 und 5000 Litern sollten die Regel werden.“ Die Ortsfeuerwehren seien natürlich noch viel weniger auf einen weiteren trockenen Sommer vorbereitet.

Engel, der auch Wehrleiter der gesamten Einheitsgemeinde ist, setzt sich irgendwann die nächsten Tage mit Bürgermeister Nico Schulz an einen Tisch. Als ein Krisengespräch sehe er das noch nicht. „Aber die Lage ist ernst, keine Frage.“ In der Westaltmark habe es erste Brände gegeben.

Tief sitzt auch die Erinnerung an den Waldbrand nur wenige Kilometer von Osterburg entfernt. Mitte September vergangenen Jahres loderten Flammen im Wald nahe Seehausen, auch die Biesestädter rückten an. Gemeinsam sei eine Katastrophe verhindert worden. Einheitsgemeinde wie Verbandsgemeinde sind reich an Wäldern und Feldern. Allein in Erstgenannter hat es 2018 ein gutes Dutzend mal in kurzer Zeit gebrannt.

Regelrecht ins kollektive Gedächtnis eingebrannt hat sich das Großfeuer von 1975. In der Lüneburger Heide und im Wendland traf es mehr als 8000 Hektar, was mehr als 11 200 Fußballfeldern entspricht. Sieben Menschen kamen dort ums Leben. „Ausläufer des Feuers gelangten bis in den Arendseer Raum“, weiß Altmärker Engel im AZ-Gespräch.

Flammen kennen keine Grenzen, politische wie die damalige deutsch-deutsche schon gar nicht. „Von den Erfahrungen zehren wir auch im Landkreis noch heute.“ Und überhaupt: „Waldwege müssen belastbar, Schutzstreifen gezogen sein. Und ja, ein Wald sollte auch entrümpelt sein. Was für die Natur schön sein mag, brennt trocken wie Zunder und nährt ein Feuer erst so richtig.“

Verstärkt komme es auch auf die Löschwasser-Entnahmestellen außerhalb an. „Wir müssen Waldbesitzer, Forstbetriebsgemeinschaften und Kommunen weiter sensibilisieren.“ Bestehende Stellen müssten gepflegt, vielleicht auch zusätzliche angelegt werden. Bei der Ausrüstung könnte es vermehrt auf Pflüge für Löschfahrzeuge ankommen.

Von Schiebepanzern hält Engel nur von Fall zu Fall etwas. „Sie können eine wichtige Ergänzung auf bestimmten Flächen sein, mitunter richten sich aber auch mehr Schaden an als sie nützen.“ Die geringe Zahl von Löschhubschraubern sei ein deutschlandweites Problem. In der Regel gehörten diese auch Privatfirmen und die Technik gebe es nicht zum Nulltarif. Überhaupt könne ein größerer Waldbrand eine Kommune schnell einmal in finanzielle Nöte bringen. „Wir sind davon bislang verschont geblieben.“

VON MARCO HERTZFELD  

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