Jägerschaft Osterburg sorgt sich um Rehbestand / Ausbildungszentrum baulich aufgewertet

„Viele ertrunkene Tiere gesehen“

Dieter Smyrek muss die einzelnen Tierbestände im Auge haben. Gegebenenfalls wird eine Art mehr als üblich geschont. Derzeit verfolgt der Wendemarker die Entwicklung des Rehwildes besonders genau.

Osterburg. „Wer so etwas Schlimmes sieht, der vergisst das nicht mehr so schnell. “ Der Rehbestand im nördlichen Landkreis Stendal hat spürbar abgenommen. Zahlreiche Kitze sind dem Hochwasser zum Opfer gefallen.

„Das können auch Deichwachen bestätigen, die an den Rändern viele ertrunkene Tiere gesehen haben“, sagt Waidmann Dieter Smyrek. Ricken ziehen zum Setzen des Nachwuchses gern ins Dauergrün der Elbwiesen. Als im Sommer 2013 der Flusspegel stieg, saßen die Kitze in der Falle und starben qualvoll. Die Alttiere konnten sich lange nicht trennen und standen bis zur Brust im Wasser. In den vergangenen fünf Jahren sind im Altkreis Osterburg pro Saison im Durchschnitt 2500 Rehe erlegt worden. Eine auch nur annähernd gleiche Zahl sei für diese Jagdsaison nicht zu erwarten.

Der 65-Jährige steht vor seinem Elternhaus in Wendemark und lässt den Blick über Felder und Wiesen schweifen. „Was wäre der Jäger ohne die Natur? Wir greifen regulierend in sie ein, damit gerade Schwarz- und Raubwild nicht überhandnehmen.“ Smyrek, dessen Vorfahren aus Finnland und der Slowakei stammen, führt die Jägerschaft Osterburg seit acht Jahren an. Das Gebiet der Organisation umfasst nicht zuletzt die Einheitsgemeinde Osterburg, die Verbandsgemeinde Seehausen und große Teile der Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck. Die fast 400 Mitglieder sind noch einmal in 14 Hegeringen organisiert. Das Durchschnittsalter der Jäger beträgt 55 Jahre. Die größte Einheit ist der Hegering Königsmark mit annähernd 50 Waidmännern.

„Wir rekrutieren unsere Leute vor allem über die Schulungen in Barsberge.“ Das Ausbildungszentrum gehört der Jägerschaft, Frauen und Männer der Bereiche Stendal und Havelberg nutzen es ebenfalls. Die Lehrgänge beginnen im September und enden im Mai. Aktuell bereiten sich zwölf Anwärter aus Smyreks Reihen auf die Prüfungen vor. Das Schulungszentrum wird nach und nach modernisiert. Toiletten und Aufenthaltsraum sind bereits aufgewertet. Zudem sind im Komplex Fenster und Heizung erneuert worden. „Es steckt bereits viel Kraft und Geld in dem Zentrum. Wir danken auch unseren Sponsoren.“ Der Wert der Arbeiten dürfte im mittleren fünfstelligen Euro-Bereich liegen. Schon bald sollen noch die Wände des Zentrums eine anständige Wärmedämmung erhalten.

Ein Jagdjahr reicht vom 1. April bis 31. März. Eine abschließende Bilanz ist deshalb noch nicht möglich, allerdings gibt es Erfahrungswerte. In den vergangenen fünf Jahren erlegten die Osterburger Jägersleute pro Saison im Durchschnitt 250 Dam- und 40 Rothirsche, 750 Wildschweine und 50 Mufflons. Besonderes Augenmerk verdient traditionell das Raubwild. Zur Strecke gehören alljährlich im Schnitt 1300 Füchse, 2600 Waschbären, 350 Marderhunde, 100 Minke (Amerikanischer Nerz) und 150 Dachse. Hinzu kommen noch Iltis und weitere marderartige Räuber. Die ganzjährige Schonzeit für Krähenvögel sei vor einiger Zeit aufgehoben worden. Ungefähr 500 Krähen und 150 Elstern zählen bislang pro Saison zur Strecke.

Smyrek sieht den Waschbären weiter auf dem Vormarsch. „Er ist ein echter Lebenskünstler, er frisst alles, findet überall eine Behausung, ist resistent gegen viele Krankheiten und scheut auch die Nähe des Menschen nicht.“ Der Marderhund habe es da nicht ganz so leicht. „Er kann sich schwerer an bestimmte Umweltfaktoren anpassen, führt ein anspruchsvolleres Leben und braucht unbedingt Erdbauten.“ Die Art werde wohl nicht weiter zulegen können, allerdings auch nicht spürbar an Boden verlieren. „Tendenz: gleichbleibend.“ Der Rotfuchs scheint hingegen merklich an Einfluss zu verlieren. „Er ist sehr anfällig, zum Beispiel für Hundestaupe und Räude.“ Zudem holen sich Marderhunde gar nicht so selten Fuchswelpen direkt aus dem Bau und füttern mit ihnen den eigenen Nachwuchs. Hat dann noch Hochwasser die unterirdischen Röhren des Fuchses geflutet und muss die Fähe irgendwo im Busch werfen, sitzt der Tod quasi nur einige Meter weiter.

Das Schwarzwild fühle sich immer wohler im Landkreis Stendal. Den entscheidenden Grund dafür sieht der gelernte Landwirt und diplomierte Ökonom in den immer mehr werdenden Maisflächen. Der Mensch baut die Pflanze für Biogasanlagen an und deckt damit auch den Tisch für das umtriebige Wildschwein, das den Mais zum Fressen gern hat. „Wir müssen unsere Jagdweise auf die Entwicklung einstellen und mehr gemeinsame, Hegering übergreifende Jagden organisieren.“ Das Thema werde vermutlich auch bei der jährlichen Hauptversammlung der Jägerschaft Osterburg besprochen. Die Zusammenkunft soll irgendwann im April stattfinden.

Von Marco Hertzfeld

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