Anlage abgebaut: Öffentliche Telefonzelle verschwindet aus dem Osterburger Straßenbild

„Umsatz weniger als zehn Euro“

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Die gelbe Telefonanlage an der Wasserstraße ist gänzlich weg.

Osterburg. Die klassische öffentliche Telefonzelle ist aus dem Osterburger Stadtbild verschwunden. Die Telekom hat nun auch die Anlage mit der Haube auf dem Parkplatz an der Wasserstraße abbauen lassen.

Der Betrieb sei schlichtweg unwirtschaftlich gewesen, informiert Konzernsprecher Georg von Wagner auf Anfrage der AZ. „Der Umsatz betrug weniger als zehn Euro pro Monat. Das hat uns gezeigt, dass diese öffentliche Telefonzelle nicht benötigt wird. “ Aufwendung und Einnahme stünden einfach in keinem vernünftigen Verhältnis.

Statt einer Zelle steht am Bahnhof nun eine Säule.

Osterburger und Gäste müssen somit noch länger suchen oder ganz genau wissen, wo noch im Freien zum Hörer gegriffen werden kann. Zwei, drei Anlagen sind den meisten Menschen bekannt. Eine befindet sich auf dem August-Hilliges-Platz, eine an der Bismarker Straße nahe der Tankstelle. Das Telefon am Bahnhof dürfte einige Nutzer haben, auch dort ist die Zelle verschwunden, das eigentliche Telefon an einer Säule funktioniert.

Noch vor gut 20 Jahren sollte es in Osterburg deutlich mehr öffentliche Telefone gegeben haben, meist in Zellen. Die Zahl öffentlicher Telefone geht in ganz Deutschland weiter zurück, 2015 waren es laut Telekom-Sprecher immerhin noch etwa 35 000, aktuell sind es vielleicht rund 20 000.

Die öffentlichen Apparate sterben aus. Bis vor drei, vier Jahren stand auch eine Telefonzelle am Platz des Friedens, 24 ganze Monate lang war von dort aus kein einziges Gespräch geführt worden. Schuld scheint das Handy, welches viele Menschen wie selbstverständlich stets und ständig mit sich führen. Doch was passiert, wenn das Mobiltelefon einmal daheim vergessen wird und ausgerechnet dann bei einem Notfall Hilfe gerufen werden muss? Osterburgs Ordnungsamtsleiter Matthias Frank bleibt gelassen: „Die Zeit sowie die technische Entwicklung machen vor Osterburg nicht halt.“ Für die Telekom seien diese Telefonhäuschen nun einmal ein Zuschussgeschäft.

„Die Stadt plant keinen weiteren Rückbau von Telefonzellen. Die Aktivitäten kommen einzig von der Telekom.“ Doch er bleibt dabei: „Ich möchte behaupten, dass mehr als 90 Prozent der Einwohner Osterburgs einen Festnetzanschluss oder ein Mobiltelefon haben. Wenn nicht, so kann man im Bedarfsfall und Ernstfall auch einmal eine andere Person ansprechen oder beim Nachbarn klingeln und um die Benutzung eines Telefons bitten.“

Von Marco Hertzfeld

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