Margot Schulze (75) fordert von Kommune Sterilisation herrenloser Katzen

Tierfreundin zeigt Krallen: „Stadt muss sich kümmern“

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Margot Schulze zeigt „Lucy“, einen ihrer Schützlinge. Die Katze liebt es wild und frei.

Seehausen. „Lucy, du bleibst drin. “ Margot Schulze versperrt der Katze den Weg, draußen herrscht Eiseskälte. An der Tür steht ein großer Plastiksack mit leeren Dosen. Die 75-Jährige ist gerade von ihrer Tour zurück.

Sie versorgt mehr als 30 Katzen, ein Großteil davon lebt ziemlich wild auf der Straße. „Die Stadt muss sich kümmern, Seehausen hat ein Problem“, ist die frühere Verkäuferin überzeugt und wünscht sich mehr Unterstützung von Politik und Verwaltung. Auch das Tierheim in Wittenberge sieht sie zukünftig stärker in der Pflicht. Mindestens 300 Euro monatlich für Futter, dazu Tierarztkosten für Streuner in Not. Ihre Rente teilt sie mit herrenlosen Samtpfoten, von denen es in der Altstadt locker 50 geben soll. „Die Kommune sollte zumindest regelmäßig Kastrationen oder Sterilisationen bezahlen. Eine vernünftige Geburtenkontrolle muss her. “.

Ein gutes halbes Dutzend Futterstellen im Herzen der Wischestadt läuft die Seniorin jeden Tag ab. „Im Sommer geht es kurz nach halb fünf los, im Winter, wenn es hell wird.“ Die Katzen sind scheu und meiden den Menschen. „Bei mir ist das natürlich anders. Ich will ihren etwas Gutes tun, mich kennen sie. In der Regel kommen alle auf einen Schlag und bringen manchmal noch Verwandtschaft mit“, meint die waschechte Seehäuserin im AZ-Gespräch und schmunzelt.

Die Tiere in gute Hände zu vermitteln, sei enorm schwierig, in vier, fünf Fällen sei es ihr dennoch gelungen. Schulze versteht sich als Tierschützerin, auch wenn das ein ziemlich großes Wort sei. „Die Tiere tun mir einfach leid, gar nicht so selten ist eines krank oder gar schlimm verletzt.“ Dass einige Zeitgenossen bei so viel Engagement den Kopf schütteln oder sich sogar mit dem Finger an die Stirn tippen, damit kann sie sehr gut leben.

„Anderseits erfahre ich aber auch viel Unterstützung. Erst vor Weihnachten hing wieder ein Beutel Futter an der Klinke. Freunde und Bekannte spenden.“ Auch zwei Gymnasiastinnen helfen immer wieder einmal mit Nahrung für die tierischen Sorgenkinder. Unternehmer Bernd Scharbius setzte im Herbst einen Radlader ein, um an ein Katzenbaby heranzukommen, das mutterseelenallein auf einem gut sieben Meter hohen Baum saß, nicht mehr herunterkam und traurig mauzte. „Und eine Rechnung habe ich für diese Rettungsaktion auch nicht bekommen, toll.“ Das sei nicht selbstverständlich. „Den meisten Menschen sind diese Streuner einfach egal. Einige schimpfen auf sie und drohen damit, sie erschießen zu wollen.“ In den vergangenen vier Monaten habe sie sieben tote Katzen gefunden. Schulze hat einen Verdacht: „Sie könnten vergiftet worden sein. Ich kann es aber leider nicht beweisen.“

Daheim an der Rosenstraße leben etliche Katzen, im Haus am Schwibbogen, das sie verwaltet, ebenfalls, allesamt Freigänger, einige sind anfälliger als andere und müssen deshalb dieser Tage der Kälte wegen drinbleiben. Kurz vor der Rente lief ihr „Mauzi“ zu. Mit ihr hat alles begonnen. Irgendwann kam „Florian“, voller Flöhe und nur wenig mehr als eine Hand groß, dazu. Schnell fühlte sich die gelernte Bäckereifachverkäuferin auch für die anderen Straßenkatzen verantwortlich.

Seit dem zweiten Weihnachtsfeiertag kümmert sie sich zu Hause noch um eine weitere Mieze: schwarz, kein Jahr alt und recht zutraulich. Sie hat ein pinkfarbenes Halsband mit Glitzersteinen um. „Dieses Tier gehört bestimmt jemanden, der es schon sucht und sich Sorgen macht.“ Schulze will den Ausreißer schnellstmöglich in dessen Heim zurück wissen. Die Katzenfreundin ist erreichbar unter Tel. (039386) 51781.

Von Marco Hertzfeld

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