Kaum mehr als eine Handvoll Anlagen in Osterburg / Rekord: In zwei Jahren kein einziger Anruf

Telefonzelle verliert den Anschluss

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Wer ein Handy hat, lässt die Telefonzelle links liegen. An Orten mit vielen Menschen wie dem Bahnhof oder hier der Wasserstraße im Osterburger Zentrum könnte eine öffentliche Anlage aber weiterhin Sinn machen. Für den Fall der Fälle sozusagen.

Osterburg. Die klassische öffentliche Telefonzelle ist weiter auf dem Rückzug. In zwei, drei Jahren könnte sie ganz aus dem Stadtbild verschwunden sein. Schon jetzt müssen Osterburger lange suchen oder ganz genau wissen, wo noch zum Hörer gegriffen werden kann.

Matthias Frank kennt drei Anlagen, die auf dem Parkplatz Wasserstraße, eine auf dem August-Hilliges-Platz und die an der Bismarker Straße nahe der Tankstelle. Alle diese Anlagen sind mehr oder weniger gefährdet. Die Telefonkabine am Bahnhof dürfte noch einige Nutzer haben, momentan jedenfalls. Die Verwaltung führe keine großartige Liste, sodass irgendwo auch noch ein weiteres Exemplar stehen könnte, so der Ordnungsamtsleiter.

Bis vor Kurzem gab es noch eine Telefonzelle am Kreisel Ernst-Thälmann-Straße. „Zwei ganze Jahre lang war von dort aus kein einziges Gespräch geführt worden. Das hat sich für den Anbieter einfach nicht mehr gerechnet.“ Bei den verbliebenen Apparaten dürften die Umsätze auch nicht sonderlich hoch sein. Frank meint aber: „Es sollte auch weiterhin einige dieser Einwahlmöglichkeiten geben. Wie schnell ist das Handy einmal vergessen oder man hat gerade in einem Notfall das Mobiltelefon nicht parat. Das ist zumindest unsere Philosophie, wie lange die Telekom da mitspielt, ist natürlich eine ganz andere Frage.“

In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Telefonzellen nach und nach zurückgegangen. Aktuell seien es bundesweit vielleicht noch gut 35 000, informiert Telekom-Sprecher Georg von Wagner auf AZ-Anfrage. Von öffentlichen Apparaten sind im Jahre 2010 ungefähr 120 Millionen Gespräche geführt worden, 1999 waren es noch circa eine Milliarde. Neben der Telekom gibt es weitere Anbieter, doch auch die haben zu kämpfen. Das Handy drängt die Telefonzelle immer mehr an den Rand. Sein Siegeszug scheint unaufhaltsam. Zudem sind auch die Haushalte immer besser an das Kommunikationsnetz angebunden.

„Wenn eine Telefonzelle nicht mehr genutzt wird, dann sprechen wir mit der Kommune über einen Abbau. Der Unterhalt kostet Geld, etwa für Strom, Standortmiete und Wartung.“ Mit der Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände gebe es folgende Vereinbarung: Der Konzern darf in Absprache mit den Städten und Gemeinden öffentliche Fernsprecher mit einem Umsatz von weniger als 50 Euro im Monat entfernen. Der Wunsch nach einer Grundversorgung sei eben für immer weniger Standorte nachweisbar groß. „Der Kunde ist Architekt des Telefonzellen-Netzes“, beteuert von Wagner.

Die Osterburger Stadtverwaltung bekommt laut Frank regelmäßig Post von der Telekom. Um ein Empfehlungsschreiben für die noch verbliebenen Standorte handelt es sich dabei nicht. Das Unternehmen möchte die Apparate offenbar lieber heute als morgen loswerden, die Anlage am Bahnhof vielleicht einmal ausgenommen. Noch vor 20 Jahren gab es zumindest in der Kernstadt der heutigen Einheitsgemeinde, und auch in anderen Kommunen, deutlich mehr öffentliche Telefonzellen. Für jeden Abbau braucht es neben dem Einverständnis der Kommune grundsätzlich auch das der Bundesnetzagentur. Dennoch: Öffentliche Telefonstellen sind gerade im ländlichen Raum am Aussterben.

Dem Mobiltelefon scheint die Zukunft zu gehören, statistisch gesehen hat jeder Deutsche mindestens eins. In seinem Windschatten kommen Hotspots, Telestationen für kabellosen Internetzugang, Rufbus-Anlagen, Informationssysteme für Nutzer verschiedenster Verkehrsmittel und anderes mehr in den öffentlichen Raum. Die Kommunikation auf Plätzen und an Straßen verschwindet nicht, sie ändert sich.

Von Marco Hertzfeld

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