Luise Poley im Gymnasium: Elementarteilchenphysik am LHC / Doktorandin war Abiturientin in Seehausen

Die Teilchen und ihre vielen Unbekannten

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Wissenschaftlerin Luise Poley präsentierte diese zusammenfassende Formel für die Suche nach dem erweiterten Standard-Modell in der Teilchenphysik.

Osterburg. Vor knapp elf Jahren absolvierte Luise Poley die Abitur-Prüfungen im Seehäuser Winckelmann-Gymnasium. Nun steht die heutige Physikerin nach erfolgreichem Bachelor- und Master-Abschluss vor ihrem nächsten Karrieresprung.

Kurz vor der Verteidigung ihrer Dissertation an der Berliner Humboldt-Universität war die gebürtige Altmärkerin am Donnerstag im Osterburger Markgraf-Albrecht-Gymnasium zu Gast, um über ihr Spezialgebiet „die Elementarteilchenphysik“ und den Teilchenbeschleuniger LHC (Large Hadron Collider) am schweizerischen CERN (Europäische Organisation für Kernforschung) zu sprechen.

Am Vormittag gab die junge Physikerin (Master of Science) ihr Wissen und ihre Erfahrungen zunächst vier Stunden lang an 21 am Thema interessierten Schülerinnen und Schülern aus den neunten bis zwölften Klassen weiter.

Am Abend folgte dann ein zweistündiger öffentlicher Vortrag in der Aula des Gymnasiums, zu dem trotz „Friederike“-Unwetter knapp 30 Zuhörer kamen. Gleich zu Beginn stellte Luise Poley das Publikum sympathisch-humorvoll auf ihr Vortragstempo ein: „Ich rede nicht zu schnell, sie hören zu langsam.“

Schon war sie mittendrin im Thema – und bei der Schwerpunkt-Frage des Abends: „Was sind Elementarteilchen?“ Sie sind die Bausteine dieser Welt, die kleinsten der Materie. Diese Elementarteilchen sind im sogenannten Standard-Modell erfasst. Wichtige Größe des theoretischen Systems seien auch die Kräfte – elektromagnetische, starke, schwache und Gravitationskraft. Von letzterer habe die Wissenschaft derzeit noch die „wenigste Ahnung“, so Poley. Die Einschätzung der wissenschaftlichen Unkenntnis wiederholte sich im Vortrag der Physikerin auffallend oft. Da verwundert es nicht, dass noch 96 Prozent des Universums unbekannt sind. Viel zeit- und geldintensive Arbeit liegt somit noch vor den Wissenschaftlern.

Eine wichtige Funktion in der Erforschung bekannter und unbekannter Elementarteilchen habe der Large Hadron Collider (LHC). Der vor zehn Jahren in Betrieb genommene Teilchenbeschleuniger ist ein Ringtunnel mit einem Umfang von fast 27 Kilometern in 50 bis 175 Meter Tiefe. Weltweit hatte der LHC für Schlagzeilen gesorgt, als sich bereits wenige Tage nach seiner ersten Inbetriebnahme ein Magnet zu stark erwärmt hatte und in der Folge die kühlenden Heliumleitungen explodierten. Die erforderliche Reparatur dauerte damals rund ein Jahr.

Es gab aber auch schon überaus positive Schlagzeilen. So machte der LHC vor gut fünf Jahren den experimentellen Nachweis des Higgs-Bosons erst möglich – das jüngste experimentell nachgewiesene Teilchen des Standardmodells.

Im Zusammenhang mit der Suche nach dem Higgs-Boson klärte Poley ein Irrtum auf: So würde dem Higgs-Boson auch der Name „Gottesteilchen“ zugewiesen. Das stimme aber nicht. Vielmehr hätte ein Wissenschaftlicher einmal von dem „Gott verdammten Teilchen“ geschrieben. Bei einer redaktionellen Bearbeitung wurde der Fluch bereinigt und das Wort „verdammt“ verschwand. Viele technische Geräte und Prozesse beruhen übrigens auf den Technologien der Teilchenphysik, so Physikerin Poley. Dazu zählen unter anderem bildgebende Verfahren in der Medizin (Magnetresonanztomographie/MRT, Kernspintomografie) und die weltweite Überwachung der Nuklearwaffen und des waffenfähigen Materials.

Von Frank Schumann

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