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Im Takt der jiddischen Volkslieder

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In den Liedern und anekdotenhaften Dialogen kam auch der Humor nicht zu kurz, wie Ina Norinska und ihr Vater Leonid Norinsky bewiesen. © Schmarsow

Osterburg. Einen eindrucksvollen musikalischen Abend erlebten die Mitglieder und Freunde der Kleinkunstbühne am Freitag im „Kanzler“. Vereinschef und Programmorganisator Dieter Preuss konnte zufrieden sein: Der Saal war gut besetzt.

Mit Klezmer, einer aus dem aschkenasischen Judentum stammende Volksmusiktradition, jiddischen Liedern und israelischer Pop-Musik hatte das jüdische Ensemble „Shoshana“ das Publikum schnell für sich eingenommen.

Geleitet wird die Gruppe mit ukrainisch-russischen Wurzeln von Leonid Norinsky, der auch die Musiktitel und Lieder arrangiert. Das Programm mit dem Titel „Baj mir bist du schejn“ war ein Mix jüdischer Melodien – so genannte Klezmer, also vorwiegend instrumentale Musik – und Liedern, gesungen auf jiddisch und hebräisch. Beides gab verschiedene Stimmungen wieder, von fröhlich, temperamentvoll bis gefühlsbetont, melancholisch, nachdenklich und traurig. Ina, des virtuosen Akkordeonspielers und Sängers Leonid Tochter, handhabte verschiedene Rhythmusinstrumente, sang und tanzte, während Dagmar Fichtner bestes Können auf der Violine hörbar machte.

Im Publikum ging man mit im Takt der Freylachs, der typischen instrumentalen jiddi–schen Volkslieder. So verschieden die drei Musiker agierten, so verschieden gestalteten sie auch ihre Lieder. Um Freude und Leid ging es, um Glück und Traurigkeit, um Ernsthaftigkeit und Schelmerei. Der ewige Traum von Reichtum spielte genauso eine Rolle wie die Armut. Auch der jüdische Humor kam nicht zu kurz, zum Beispiel in den anekdotischen Dialogen der Tochter. Ina und Leonid sangen in sehr großer stimmlicher Harmonie, wobei die volltönende klare Stimme von Ina besonders gut zur Geltung kam. In zwei Akkordeon-Soli schienen Leonids Finger ein wildes Eigenleben zu entfalten. Auch das virtuose Geigenspiel von Dagmar war einfach bewundernswert. Nach 90 Minuten zeigte sich ein begeistertes Publikum, das auf Zugaben bestand. Der Kleinkunstbühne war erneut ein gutes Programm gelungen.

Das Ensemble „Shoshana“ ist im Frühjahr 2004 gegründet worden. Seine Darbietungen eignen sich gut für Veranstaltungen in kleinerem Rahmen, zum Beispiel Vereinsfeste, Hochzeiten und ähnliches.

Von Frank Schmarsow

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