Baum zerstört Bienenwagen / Verein sieht weitere Baustellen: Faulbrut, Gift und kurze Blüte

Stich ins Herz eines jeden Imkers

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Ein Trümmerfeld: Der Bienenwagen ist unter einem Stamm begraben. Der Baum wird zerlegt. Daneben wartet weiteres Holz.

Osterburg. Ein mächtiger Baum hat den Bienenwagen getroffen und unter sich begraben. Holzteile liegen zerstreut umher. Da scheint nichts mehr zu retten. Spaziergängern und Anwohnern bietet sich wenige Hundert Meter vor dem Norma-Markt an der B 189 ein wüstes Bild.

Dieter Smyrek, Vorsitzender des Imkervereins in der Gegend, will aufklären und sucht in Gedanken nach dem richtigen Gelände: „Dort muss eine Pappel umgestürzt sein, wohl durch Sturm. Wir wollten dem Besitzer des Grundstücks, einem älteren Imker, der aufhören möchte, den Wagen abnehmen und für einen Jüngeren aufbereiten. “ Doch das erübrige sich ja nun. Mit dem Chaos wolle der Osterburger allein klarkommen. Bienen seien keine mehr in den Kästen.

Bei dieser Gelegenheit berichtet der Wendemarker der AZ, wie die Insekten in der Region über den Winter gekommen sind. „Wir hatten einen warmen Herbst, irgendwann wurde es kalt, dann wieder warm, es folgte klirrende Kälte ...“ Die recht großen Temperaturschwankungen der vergangenen Monate hätten den Bienen zu schaffen gemacht. Landesweit dürften 25 Prozent der Völker verloren sein, im Gebiet des Imkervereins „Seehausen und Umgebung 1852“ vielleicht 16 oder 17 Prozent. „Wir stehen ganz ordentlich da, weil wir unsere Mitglieder und ihren Bestand aktiv betreuen, gerade in medizinischen Fragen.“

Varroamilbe und Amerikanische Faulbrut, zwei der größten Geißeln in der Bienenzucht, im Zaum zu halten, gelinge eben besser in der Gemeinschaft. Der Verein zähle 65 Mitglieder. Wie viele Imker außerhalb der Organisation arbeiten, vermag Smyrek nicht zu sagen. „Es dürften aber einige sein.“ Regelmäßig werden Lehrgänge angeboten, um die Imker auf den neuesten Stand der Forschung zu bringen. Substanzen gegen Krankheiten ließen sich in größeren Einheiten einfach günstiger bekommen. Der Vereinsvorsitzende wirbt offensiv um zusätzliche Mitglieder. „Die Bereitschaft stockt ein bisschen, doch wir bleiben dran. Kontaktdaten lassen sich auf www.imkerverein-seehausen.jimdo.com finden.

Es verschwinden immer mehr Insekten auf der Erde, Experten fürchten gerade um die Honigbiene und andere Kleinsttiere, die Blüten bestäuben und nicht zuletzt für die Landwirtschaft so wichtig sind. Altmärker Smyrek sieht das ähnlich dramatisch. Ab Juli fänden die Bienen oftmals kaum Nahrung, es gebe viel zu wenig Blüten auf dem Ackergrün. Und spezielle Blühstreifen, wenn sie denn existierten, seien häufig verkrautet. „Die Bewirtschaftung muss sich einfach neu orientieren und ausrichten. „Was die Umweltgifte angeht, hat mach das ja weitestgehend unter Kontrolle“, glaubt der Vereinschef. Auch sei beispielsweise ein einzelnes Herbizid (Unkrautvernichtungsmittel) nicht unbedingt das Problem. „Masse und Mischung bereiten Sorgen. Es sind die regelrechten Giftcocktails, die den großen Schaden anrichten. Wir müssen alle gemeinsam noch besser hinschauen.“

Über Themen wie dieses kann auch bei der Vollversammlung des Vereins am Sonnabend, 7. April, gesprochen werden. Los geht es um 14 Uhr in der Gaststätte der Landfleischerei, Arendseer Straße 21 a, in Seehausen.

Von Marco Hertzfeld

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