Stadttor und Feuerstellen

Wie schon an der Breiten Straße im vergangenen Jahr leitete Dr. Volkhard Hirsekorn die Ausgrabungen in der Tangermünder- und der Elbstraße. Einige der Funde liegen derzeit noch zum Trocknen aus. Akribisch wird alles aufgearbeitet. Fotos (2): J. Gerber

Arneburg - Von Jörg Gerber. So gut wie abgeschlossen sind die Erdarbeiten an der Tangermünder- und an der Elbstraße in Arneburg. Denkmalpfleger Dr. Volkhard Hirsekorn und seine Mitarbeiter sind momentan dabei, die letzten Funde zu trocknen, aufzunehmen und zu weiteren Untersuchungen abzuschicken.

Grabungsleiter Volkhard Hirsekorn, seine Mitarbeiterin Diana Dahlke und der ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger Wolfgang Bosse aus Arneburg hatten in den zurückliegenden Tagen viel Arbeit. Ende März begannen die Tiefbauarbeiten an der Tangermünder Straße. Schmutz-, Regen- und Trinkwasserkanäle kamen in die Erde. Dazu kamen etwas später die Arbeiten an der Elbstraße, wo Schmutz- und Regenwasserkanäle eingebracht wurden. In guter Zusammenarbeit mit der Baufirma, so Hirsekorn, wurden die Arbeiten von den Archäologen begleitet. Einiges konnten sie dabei ans Tageslicht bringen.

Im unteren Teil der Tangermünder Straße wurde in etwas zwei Meter Tiefe die Fundamentierung des einstigen Tangermünder Tores gefunden. Drei solcher Stadttore hatten die Arneburger einst besessen. Feldseitig seien die Mauern stärker ausgeprägt gewesen und stadteinwärts schwächer. Weiter wurden in dieser Straße auf einer Länge von etwa 35 Metern Feuergruben mit einem Durchmesser von einem Meter und 30 bis 50 Zentimeter Tiefe gefunden. Diese Feuerstellen stammen aus der späten Bronze- beziehungsweise frühen Eisenzeit, so der Grabungsleiter. Insgesamt waren es 25 Stück solcher Feuerstellen, auf dehnen früher das Feuer gemacht und dann auf den erhitzten Steinen gekocht wurde.

Gefunden wurden weiterhin verschiedene Straßenbefestigungen aus Kiesel und Stein, sodass sich im Laufe der Jahrhunderte eine Kulturschicht in Nähe des Marktes ausgebildet habe. Kurz vor der Einmündung dort wurde auch wieder eine hölzerne Wasserleitung gefunden. Bereits bei den Grabungen an der Breiten Straße kamen diese Deichelleitungen ans Tageslicht (wir berichteten). Quer zur Tangermünder Straße waren diese Leitungen – vermutlich zur Versorgung der Breiten Straße – angelegt. Bei Deichelleitungen handelt es sich um eine aufgebohrte Holzröhre aus einem Baumstamm, wie sie zur Verlegung von Wasserrohrleitungen in vorindustrieller Zeit hergestellt wurden".

Im Kreuzungsbereich der Elbstraße wurden unter einer Schutzschicht verschiedene Knochen, Tonpfeifenteile, Austern und Scherben gefunden. Die Ausgrabungen dort zeigen aber auch deutlich, dass es sich um eine neuere Straße handeln muss. Beispielsweise wurden mehrere Flaschensiegel aus dem 18. beziehungsweise frühen 19. Jahrhundert gefunden. Es war alles recht neuzeitig, so Hirsekorn. Ausgegangen werden könne davon, dass die Straße erst im 19. Jahrhundert befestigt wurde.

Nun wird alles akribisch aufgearbeitet. Ob es, wie an der Breiten Straße, einen Termin gibt, zu dem interessierten Bürgern die Funde erklärt bekommen, stand gestern noch nicht fest.

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