Bürgermeister schwant: Amüsant-bissiges „In the middle of nüscht“ gefällt nicht nur Osterburgern

Stadt will sich ihren Slogan sichern

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Osterburg mitten auf der Landkarte. Die Einheitsgemeinde umfasst elf Ortschaften. 

Osterburg. Die Stadt hätte es vielleicht sogar ahnen können. Das amüsant-bissige „In the middle of nüscht“ gefällt nicht allein den Osterburgern.

Der Spruch hatte es vor knapp fünf Jahren bei der Suche nach einem neuen Slogan für die Einheitsgemeinde in die engere Auswahl des Wettbewerbs geschafft. Weil die gleichen Worte, Zufall oder nicht, nun im Internet für fremde Lokalitäten und Projekte auftauchen, will das Rathaus den Spruch rechtlich schützen lassen. Bei den Osterburgern dürfte die herrlich verrückte Wortwahl ja sowieso der heimliche Stadt-slogan sein. Bürgermeister Nico Schulz ist überzeugt: „Der Spruch gehört uns. Wir wollen ihn in der Zukunft von anderen nicht inflationär verwendet sehen. Er hat Potenzial. “.

Durchgesetzt hatte sich damals ein anderer Vorschlag. „Wir leben Land“ ziert seitdem nicht zuletzt Flyer und Broschüren. Auch eine Tour quer durch die Einheitsgemeinde trägt diesen Titel. Die Hansestadt will touristisch verstärkt punkten und achtet besonders auf die Außendarstellung. „In the middle of nüscht“, was so viel wie „In der Mitte von nichts“ heißt, hatte von Anfang an seine Anhänger. Der einprägsame Spruch mit Augenzwinkern stamme aus der Feder der Osterburgerin Jana Henning, erinnert sich Schulz (CDU) im Gespräch mit der AZ noch ganz genau. Der Vorschlag erschien der Stadt nicht umfassend und gewissermaßen staatstragend genug. Er sei im besten Sinne des Wortes mit spitzer Zunge formuliert und passe so gesehen dann doch wieder zu Osterburg, wenn auch nicht vorrangig.

Schulz ist im Internet auf ein Buchprojekt zur Altmark gestoßen, das mit einem Nüscht-Spruch umworben werde. Osterburgs Bürgermeister findet die Initiative klasse, wünscht ihr Erfolg und gönnt ihr auch den Slogan. „Wir wollen aber für die Zukunft und andere potenzielle Nutzer genau klären und festschreiben lassen, was uns gehört, nicht mehr und nicht weniger.“ Der Spruch eigne sich durchaus für Marketingzwecke und soll von der Einheitsgemeinde Osterburg noch verwendet werden. Wer ihn in eine Suchmaschine eingibt, findet bereits einige wenige weitere mögliche Trittbrettfahrer.

„Ruhe, weniger Kriminalität als in Ballungszentren, geringerer sozialer Sprengstoff  ...“ Auf dem Land zu leben, habe diese und weitere Vorteile. „Auch kulturell und auf anderen Ebenen kann Landleben erfüllend sein. Von wegen nix los.“ Unter dieser Maßgabe sei der Slogan „Wir leben Land“ einfach ein Tick weit breiter nutzbar. Wobei Schulz selbst mit Augenzwinkern eingesteht, dass „In the middle of nüscht“ eben tatsächlich seinen Reiz habe.

Von Marco Hertzfeld

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