Gustav-Adolf „Täve“ Schur traf in der Hansestadt viele Fans

Sportlerlegende in Osterburg

Täve Schur signierte gestern Vormittag auf Wunsch seine Bücher, die er verkaufte. Außerdem erzählte der Radsportler viel Episoden aus seinem bewegten Leben. Foto: Schmarsow

fs Osterburg. Die Friedensfahrt-Fanfare ließ die Besucher gestern aufhorchen – den überwiegend Älteren war sie noch in guter Erinnerung. Und Gustav-Adolf Schur, der im Volksmund immer der „Täve“ geblieben ist, wurde in der Begegnungsstätte der Volkssolidarität begrüßt.

Er gilt als Mythos nicht nur des DDR-Radsports, doch bescheiden wie er ist, mag er davon nichts hören. Friedensfahrt ohne Schur – das war viele Jahre undenkbar. Mehrmals hatte er diese „Tour de France des Ostens“ gewonnen bzw. war vorn platziert.

Der 80-Jährige hatte schnell Kontakt zu seinen Zuhörern, unter denen sich auch die Landtagsabgeordnete Dr. Helga Paschke (Die Linke) befand. Er freute sich über die 80 Unterschriften, die für ihn in der Begegnungsstätte für seine Aufnahme in die Hall of Fame gesammelt wurden, die ihm bisher verweigert wird.

Das Video im ersten Teil der Veranstaltung zeigte den Mensch Täve, wie er war und ist: bescheiden, kämpferisch, fair. „Jeder einzelne meiner Sportkameraden, ob Bernhard Eckstein, Egon Adler oder Lothar Meister II, war ein Mensch, auf den man sich verlassen konnte, dem man mit Achtung begegnen muss“, so Täve. Den Gipfel seiner Beliebtheit in der DDR erreichte Schur aber, als er als Titelverteidiger und großer Favorit bei der Straßen-WM auf dem Sachsenring antrat und bei der er auf seine Siegchance zugunsten von Bernhard Eckstein verzichtete. Die Größe seiner Wertschätzung zeigt auch, dass Schur 1990, 25 Jahre nach Beendigung seiner aktiven Laufbahn, zum größten DDR-Sportler aller Zeiten gewählt wurde. Er hatte Maschinenmechaniker gelernt, „bei einem Privatkrauter, der vom ersten Tag an mit mir Geld verdient hatte“. Nach seinen radsportlichen Anfangserfolgen delegierte man Täve zum Studium an der DHfK in Leipzig: „Das war kostenlos. Dafür dankbar zu sein, war für mich immer heilige Pflicht.“

Vor der Signierstunde seines Buches „Täve 80“ kam der prominente Gast mit seinen Zuhörern ins Gespräch. Werner Muhl, beispielsweise hatte aus seiner Schulzeit drei Erinnerungen an Täves Sportlerzeit. Klaus Döring wollte gestern Vormittag in der Begegnungsstätte wissen, ob Schur gern die Tour de France mitgefahren wäre. Schur: „Damals nicht, aber unter den heutigen Bedingungen hätte ich es tun müssen.“ Dr. Manfred Kessel erinnerte sich an eine Begegnung mit Schur bei einem Treffen von Schalmeienkapellen in Seehausen.

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