Mit spitzer Feder für Mauerfall

„Unerhört“ – so titelte Zeichner Paul Pribbernow eines seiner Bücher, der er zur Freude der Galerie-Besucher auch gern signierte.

Arneburg - Von Berit Boetzer. Galerist Arne Könnecke holte einen Zeichner zum Gespräch am Kamin, der im Vorfeld gebeten hatte, aber nichts sagen zu müssen. Doch der Vorsatz von Paul Pribbernow war schnell vergessen, zumal der Brandenburger Anekdoten auf Lager hatte.

Schüchternd wirkender Sympathieträger mit angeborenem Witz, über den Friedrich Schorlemmer im Jahr 2007 sagte, er besitze ein „scharfes Auge, scharfe Feder, sanftes Gemüt“. Paul Pribbernow: Brandenburger, Zeichner, 62 Lenze alt, findet im Rückblick, dass er „zur richtigen Zeit am richtigen Ort“ war. Mit der Zeichenfeder habe er geholfen, „die DDR abzuschaffen“. Seine politischen Sachen sorgten in den 80er Jahren für Aufsehen. Pribbernows Zeichnungen befestigten sich Ausreisewillige an die Autoscheiben und in der Kirche „war ich doll gefragt“. Manchmal kam er gar nicht hinterher, Arbeiten für Kirchen in Magdeburg oder Berlin zu liefern. Für ihn und seine Künstler-Kollegen war es damals „nur eine Frage der Zeit, bis die Mauer fällt“. Im letzten Bestehensjahr der DDR sei „vieles möglich gewesen“, was vorher undenkbar war. Doch die Polit-Hörner scheinen abgestoßen: „Im Alter kämpft man nicht mehr.“ Ihm sei es lieber, wenn er Menschen zum Lachen bringe. Und das tut er auch, wie Reaktionen der Besucher der Kleinsten Galerie beweisen. Welch ein Schmunzeln über den Fernseh-Fachverkäufer, der einen top-modernen Apparat preist: „Mit diesem flachen Gerät haben wir uns dem Programm des Privatfernsehens angepasst.“ Pribbernow schlägt sich generell auf die Seite der Schwachen, hat daher Wildschweinen etliche Zeichnungen gewidmet. So stampft ein Wildschwein in Frauengestalt durch den Wald und schimpft: „Pilzsammler, überall nur Pilzsammler.“

Pribbernow ist mit seinen neun Geschwistern aufgewachsen. Da es an Spielzeug mangelte, haben sich die Kinder mit Zeichnungen die Zeit vertrieben. Als gelernter Anstreicher konnte er von seiner Kreativität nicht leben. Verdiente die täglichen Brötchen für die Familie als Heizer oder Pförtner, arbeitete nach der politischen Wende in einer Behinderteneinrichtung. „Ich lerne immer noch und habe Achtung vor guten Zeichnern“, sagt der Brandenburger, der sich mehr auf das Schwarz-Weiße versteht. Vor Bunt „habe ich Respekt“. Nichtsdestotrotz sind auch in Aquarell festgehaltene Fischköpfe an der Elbe zur Schau gestellt. Als Tribut an das heiß geliebte Hobby Angeln. Pribbernow war auch im Gespräch für das Bundesverdienstkreuz, „ich hab noch nicht mal einen Anzug dafür“. Doch er stand der CDU nicht nahe, wählte lieber rot und kurzerhand „hat das Kreuz nun ein anderer“. Seine Arbeiten sind bis 23. November im Arneburger Hotel „Goldener Anker“ zu sehen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare