Betreuer zogen Bilanz / 9,3 Storchenpaare auf 100 Quadratkilometern

Mit an der Spitze Deutschlands

Eine Vielzahl von verschiedenen Ringen gibt es für die Vogelberingung. Einige von ihnen zeigte Dr. Schaffer während seines Vortrages. Fotos (2): Schaffer

Krumke. Fast einen Monat ist es her, dass sich die letzten Weißstörche aus unserer Region auf den großen Zug in ihre Überwinterungsgebiete nach Afrika gemacht haben.

Von einem der mit der neuesten Technik ausgestatteten Störche, namens „Albert von Lotto“, wissen wir, dass er in diesen Tagen Syrien und Israel überflogen hat und sich nun in Ägypten befindet.

Nicht nur diese Information erhielten in der Krumker Parkgaststätte die ehrenamtlichen lokalen Storchenhorstbetreuer und Hobbyornithologen aus dem Gebiet des Altkreises Osterburg. Diesen Personenkreis und einige weitere interessierte Bürger hatte der Weißstorchbetreuer Dr. Thoralf Schaffer persönlich eingeladen, um mit ihnen bestimmte Themen zum Storch zu erörtern. Als Gast konnte auf dieser Veranstaltung auch Dr. Michael Kaatz, Leiter des Storchenhofes in Loburg und Gerd Flechner als Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde begrüßt werden. Bevor Dr. Kaatz über die Aufgaben des Storchenhofes, seine Ziele und die Bestandsentwicklung der Adebare sprach, ging der Dank an die zur Zeit 14 ehrenamtlichen lokalen Storchenhorstbetreuer, die in unermüdlicher Arbeit die ihnen anvertrauten Horste beobachten, die relevanten Daten notieren und diese dann im jährlichen Turnus zur Aufstellung der Statistik an Dr. Schaffer schicken. Diese neueste Statistik beinhaltet unter anderem, dass es auf dem rund 1000 Quadratkilometer großen Gebiet in diesem Jahr 134 Horste mit 93 Horstpaaren gab. 66 von diesen zogen Junge auf und dementsprechend blieb bei 27 Storchenpaaren der Nachwuchs aus. Insgesamt sind 178 Storchenkinder groß geworden, was einem Durchschnitt von 2,7 Jungen pro Horstpaar mit Nachwuchs entspricht. Mit einer Storchendichte von 9,3 Paaren pro 100 Quadratkilometern liegt damit unsere Region mit an der Spitze in Deutschland. Mit 50 Todesfällen, so Gerd Flechner, ist diese Zahl in diesem Jahr aber besonders hoch. Auf die Ursachen wurde nicht näher eingegangen.

Neben Passagen aus dem preisgekrönten Film des ZDF, in dem der Storchenzug der Senderstörchin „Prinzesschen“ mit der Kamera von Deutschland nach Südafrika begleitet wurde, war für die Anwesenden der Film über die diesjährige Beringungsaktion im Norden des Landkreises von großem Interesse. Der Kameramann Tilman Eitner begleitete uneigennützig diese Aktion von Werben über Beuster nach Wahrenberg. Ihm wurde in Krumke noch einmal ein ganz großes Dankeschön ausgesprochen. In diesem Film wurde neben den Beringungen auch gezeigt, wie verwaiste Storchenkinder aus dem Storchenhof ihre neuen Adoptiveltern bekamen.

Neben den üblichen Ringen wurde auch ein neuartiges Verfahren zur Erfassung von Zugdaten gezeigt. An der Vogelwarte Radolfzell, die ein Teil des Max Planck-Institutes für Ornithologie ist, wurde dieses entwickelt und stellt einen hochsensiblen Datenlogger dar. Von diesem solarbetriebenen Gerät, welches den Störchen „aufgeschnallt“ wird, werden alle fünf Minuten die aktuellen Koordinaten des Vogelstandortes sowie Flughöhe und Fluggeschwindigkeit erfasst und auf einem Chip gespeichert. Wenn diese damit ausgerüsteten Störche im nächsten Jahr zurückkehren, dann können diese gespeicherten Daten per Funk aus Entfernungen von 200 bis 500 Meter abgerufen werden. Damit erhält man präzise Daten und Verhaltensmuster aus der Zeit, wo die Störche nicht bei uns weilten. Insgesamt acht Altvögel wurden mit dieser neuesten Technik in Beuster ausgerüstet. Den Landwirten, die beim Fang der Altvögel vom Traktor aus mittels Netzpistole behilflich waren, wurde ebenfalls gedankt.

Mit fotografischen Streiflichtern durch das Storchenjahr, wobei besonders auf die nötigen Ringablesungen eingegangen wurde, beendete Dr. Schaffer diese quasi Weiterbildungsveranstaltung in Sachen Weißstorch.

Von Walter Schaffer

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare