Eine Legende wächst: Osterburg stellt August Huchel ins Rampenlicht und sucht pfiffige Ideen

Spargelzucht-Erbe soll schmecken

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Beim Spargelfest 2018 soll deutlich mehr Spargel angeboten werden als in den Jahren zuvor.

Osterburg. Sie kommt auf den Geschmack. Die Stadt will August Huchel, Osterburgs großen Spargelzüchter, weiter ins Rampenlicht rücken. Bürgermeister Nico Schulz setzt dabei verstärkt auf die Einwohner.

„Wenn jemand eine pfiffige Idee hat, wir prüfen alles und sehen, was machbar ist und was nicht. Ich bin auf Vorschläge gespannt. “ Ein Platz im Norden der Altstadt trägt den Namen des Diplom-Landwirts, der 1929 die Deutsche Spargelhochzuchtgesellschaft Osterburg / Altmark gegründet hatte. Eine Metalltafel vor seinem früheren Wohnhaus an der Wallpromenade erinnert an ihn. Das Kreismuseum präsentiert Exponate zum Thema. Und schließlich gibt es noch das traditionsreiche Stadt- und Spargelfest, das in diesem Jahr sogar an vier Tagen vom 10. bis 13. Mai stattfinden wird.

Das Kleid einer Majestät.

„Es ist bereits einiges zu Huchel passiert. Die Wahrnehmung lag bei null oder sogar unter null. Das hat sich geändert“, ist Museumsleiter Frank Hoche überzeugt. Wer die Einrichtung an der Breiten Straße besucht, findet in der oberen Etage eine kleine Abteilung speziell zum Edelgemüse. Natürlich spielt auch Huchel darin eine Rolle. Zu sehen sind außerdem alte Arbeitsgeräte, eine Transportkiste, die von der Hochzeit des Anbaus in der Gegend kündet und das Kleid einer einstigen Osterburger Spargelkönigin. Apropos: Die amtierende Majestät, Carolin Riemann aus Rossau, bekommt ein Kind und übergibt ihr Zepter deshalb früher als geplant. Wie Thorsten Schulz vom federführenden Wirtschaftsinteressenring WIR auf Nachfrage der AZ sagt, ist die Inthronisierung für den 25. April geplant.

Eine Transportkiste zeugt von Anbau und Handel. 

Nach der politischen Wende in der DDR sei der private und genossenschaftliche Spargelanbau in und um Osterburg ziemlich rasch zusammengebrochen. „Doch es wird wieder mehr“, meint Bürgermeister Schulz. Mit der Unternehmerfamilie Heinl in Plätz, Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck, sorge die Gegend ja regelmäßig für Schlagzeilen. „Und weil die großen Zelte in der Gemarkung Walsleben und damit in Osterburg stehen, dürfen auch wir uns damit rühmen, dass bei uns der früheste Spargel der Altmark wächst“, sagt Schulz und schmunzelt. Wobei er die Gaumenfreude lieber etwas später und in der traditionellen Erntezeit zwischen eher Mitte April bis zum 24. Juni (Johannistag) genieße. „Dann aber am liebsten auch jeden Tag und nicht zu wenig.“

August Huchels Foto in der Ausstellung im Kreismuseum.

Huchel, der den Grundstein für die moderne Spargelzucht legte, war übrigens ein waschechter Altmärker, er erblickte 1889 in Stendal das Licht der Welt. Inwieweit sein 130. Geburtstag im nächsten Jahr nicht zuletzt im Terminplan des Altmärkischen Heimatbundes hervorgehoben wird, bleibt abzuwarten. Huchel war Lehrer und im Ersten Weltkrieg Jagdflieger. Anfang der 1920er-Jahre studierte er Landwirtschaft in Halle. Ab 1926 bewirtschaftete Huchel eigene Anlagen in Osterburg. 1953 flüchtete der Spargelzüchter aus der Altmark nach Westdeutschland. Während einer Arbeitsreise kam er schließlich zehn Jahre später mit dem Auto ums Leben.

Von Marco Hertzfeld

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