AfD-Landeschef Poggenburg erntet harsche Kritik für verbale Attacken auf Osterburger Gymnasium

„Solche Herren gehen gar nicht“

Jens Spahn (l.), hier mit AZ-Chefredakteur Thomas Mitzlaff, fand klare Worte zum „Fall Osterburg“. Foto: Hackenberg
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Jens Spahn (l.), hier mit AZ-Chefredakteur Thomas Mitzlaff, fand klare Worte zum „Fall Osterburg“.
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Osterburg. Lehrer würden „bewusst Gehirnwäsche an Kindern betreiben (...) wie wir es aus dunkler deutscher Geschichte kennen.“ Mit verbalen Attacken wie dieser antwortete der AfD-Landeschef Andre Poggenburg auf eine Aktion gegen Rechts des Osterburger Markgraf-Albrecht-Gymnasiums.

In politischen Kreisen sorgt die Entgleisung für Kopfschütteln. „Solche Überreaktionen zeigen doch das eigentliche Problem“, sagte am Montag Jens Spahn, CDU-Bundestagsabgeordneter und Parlamentarischer Staatssekretär im Finanzministerium, bei einem Besuch im Medienhaus C. Beckers, in dem auch die Altmark-Zeitung erscheint.

Das Gymnasium, Träger des Titels „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“, hatte vergangenen Freitag ein Zeichen gegen das Abschneiden der AfD bei der Bundestagswahl gesetzt; die Schüler waren aufgefordert, sich so bunt wie möglich zu kleiden. Poggenburg bezeichnete das unter anderem als „antidemokratische Hetze“, kündigte Dienstaufsichtsbeschwerden gegen alle beteiligten Lehrkräfte an und drohte auch der Altmark-Zeitung, die über die Veranstaltung berichtet hatte, eine juristische Prüfung an.

„Jemand wie Herr Poggenburg muss sich eher fragen, warum er sich nicht klar abgrenzt gegen rechtsradikale Tendenzen, sondern bewusst eine Wortwahl nutzt, die die Anknüpfung ins Nazi-Milieu sucht“, kommentiert Spahn das Verhalten des AfD-Landeschefs. Er wisse keinen einzigen Satz, für den man zum Beispiel das Wort „völkisch“ bräuchte, außer um so die Anschlussfähigkeit zum Rechtsradikalismus herzustellen, so der CDU-Politiker weiter. „Solche Herren wie Poggenburg und Höcke, die gehen halt gar nicht.“

Natürlich seien Recht, Ordnung und innere Sicherheit sowohl Kernforderungen von CDU als in Teilen auch von AfD, „wir müssen aber deutlich aufzeigen, welches andere, autoritäre Menschen- und Gesellschaftsbild bei der AfD dahinter steht“.

Derweil war vom Osterburger Gymnasium am Montag keine Stellungnahme zu den Vorwürfen zu bekommen – nach der Aktion hatte man sich in die Herbstferien verabschiedet.

Von Thomas Mitzlaff

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Auch der Landtagsabgeordnete Ulrich Siegmund (AfD) äußerte sich zu der Thematik. Den Artikel dazu finden Sie hier.

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