Matthias Katz (44) und seine elf Schlittenhunde sehnen sich nach einer ordentlichen Schneedecke

„Sind das schon richtige Flocken?“

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Matthias Katz mag Hunde und insbesondere Huskys. In Dobbrun hat der gebürtige Niedersachse vor fast zwei Jahrzehnten sein neues Zuhause gefunden. „Auch wenn es im Harz oder anderswo häufiger schneit als hier, wollen wir in der Region bleiben.“

Dobbrun. Die Straßen und Gehwege in Dobbrun sind spiegelglatt. Es hat genieselt, das Thermometer zeigt minus zwei Grad Celsius an. „Das reicht noch immer nicht. Wir warten seit November sehnsüchtig auf den Winter.

Dass ich die Hunde in dieser Saison noch vor den Schlitten spannen kann, wäre ein Wunder“, meint Matthias Katz und streicht einem Sibirischen Husky über das schwarz-weiße Fell. Es scheint fast so, als wollte er ihn ein wenig für das milde Wetter der vergangenen Wochen und Monate trösten. Der gebürtige Niedersachse lebt seit Mitte der 1990er-Jahre in dem Osterburger Ortsteil. Gerne würde der 44-Jährige seine insgesamt elf Schlittenhunde in einer reizvollen Winterlandschaft bewegen. Stattdessen haben die Vierbeiner bislang den normalen Trainingswagen gezogen. Auf Rädern geht es dann mitunter 40 Kilometer und mehr durch Pfützen und Schlamm. „Die Hunde wollen laufen. Letztendlich zählt nur das. Aber auf einer ordentlichen festen Schneedecke zu fahren, das wäre natürlich erfüllender. “.

Katz ist ein echter Hundenarr. „Auch wenn mein Familienname eher für eine andere Vorliebe spricht“, sagt er der AZ und lacht. Apropos Katze: „Huskys und andere Schlittenhunde haben den Charakter einer Katze. Sie hören nur schwer oder gar nicht. Steht die Tür offen, sind sie weg. Der Freiheitsdrang der Huskys ist ein Grund, warum ich diese Rasse so faszinierend finde. Man sagt auch, dass der Husky dem Wolf von allen Hunden am ähnlichsten ist.“ Als Jugendlicher durfte Katz nie einen Hund haben, die Eltern wollten es nicht. Nach der Lehre und mit dem eigenen Quartier gab es kein Halten mehr. „Es sollte ja eigentlich bei einem Hund bleiben.“ Doch über die Jahre hinweg ist es eine ganze Schar geworden. Katz fuhr sogar einige Zeit lang Rennen, durfte sich Niedersachsen-Meister und Norddeutscher Meister nennen. Mittlerweile ist er nur noch aus reinem Vergnügen unterwegs und nimmt dabei mitunter zahlende Gäste mit. Auch ohne sportliche Ambitionen ist der Wahl-Dobbruner noch Mitglied des Schlittenhunde-Sportclubs Niedersachsen (SSCN).

Ein Husky allein braucht schon ordentlich Platz, viele Huskys benötigen entsprechend viel Platz. Seine Tiere hält er im Rudel auf einem mehrere Hundert Quadratmeter großen, noch einmal extra eingezäunten Gelände. Der gelernte Bäcker hat in der Altmark sein kleines Paradies gefunden, er fühlt sich in Dobbrun erklärtermaßen pudelwohl. Keine Selbstverständlichkeit. Schließlich kümmert er sich nicht nur um seine eigenen Lieblinge, sondern auch um zahlreiche tierische Pensionsgäste, vom Zwergpinscher bis zur Deutschen Dogge. „Hunde bellen nun einmal, das eine Tier bellt mehr, das andere weniger. Geräusche bleiben einfach nicht aus. Die Nachbarschaft zeigt Verständnis, wir können alle miteinander reden. Dafür bin ich dankbar. Natürlich darf man Toleranz auch nicht überstrapazieren.“ Katz scheint seine Hundebande tatsächlich im Griff zu haben. Spätestens nach dem zweiten, dritten Kommando und einer passenden Handbewegung herrscht so gut wie Ruhe an der Dorfstraße. Kein Hund stört sich mehr großartig an dem neugierigen Besucher.

Wenn doch einmal ein Husky ausbüxt und seinen Durst nach ungezügelter Freiheit stillt, muss Katz nicht gleich um dessen Leben fürchten. „Ich habe ein gutes Verhältnis zu den Jagdpächtern in der Umgebung. Sie kennen mich und meine Tiere. In der Regel kommt ein Ausreißer auch von allein zurück“, erklärt Katz und schaut zum Himmel. Es hat leicht zu schneien begonnen. „Sind das denn schon richtige Flocken?“

Von Marco Hertzfeld

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