Wildschäden an Elbdeichen: Amtstierarzt Dr. Thoralf Schaffer informiert zur Afrikanischen Schweinepest (ASP)

Schwarzwild sorgt für massive Probleme

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„Die Frage ist nicht, ob sie kommt, sondern nur, wann sie kommt.“ Amtstierarzt Dr. Thoralf Schaffer informierte die Osterburger Jägerschaft in Bretsch über Hintergründe und Verhaltensweisen sowie Merkmale und Symptome der Afrikanischen Schweinepest (ASP).

fs Bretsch/Osterburg. Bei der Jahresversammlung der Jägerschaft Osterburg und Umgebung in Bretsch (AZ berichtete) stand das Schwarzwild gleich mehrfach im Mittelpunkt gehaltener Berichte.

Meist ging es dabei um gegenwärtige oder erwartete Problemszenarien – abgesehen von der aktuellen Information, dass der Landkreis Stendal jetzt ebenso wie der Altmarkkreis Salzwedel und der Salzlandkreis die Kosten für Trichinenuntersuchungen (zehn Euro) übernimmt. Vom Landesjagdverband Sachsen-Anhalt (LJV) werde dazu aber eine einheitliche Landesregelung für alle Kreise angestrebt, so LJV-Geschäftsführer Wilko Florstedt in Bretsch.

Keiler, Bache, Überläufer und Frischlinge sind ein wachsendes Problem, das sich in der von Jägerschaft-Schriftführer Dirk Fürst vorgetragenen Abschuss-Statistik des zurückliegenden Jagdjahres unübersehbar widerspiegelt. Demnach habe die Jägerschaft Osterburg von April 2017 bis März 2018 insgesamt 1378 Stück Schwarzwild zur Strecke gebracht. Innerhalb von nur zwei Jahren hat sich die Abschusszahl somit nahezu verdoppelt (742).

Große Sorgen bereite das Schwarzwild insbesondere am Elbdeich, erklärte Dieter Smyrek in seinem letzten Bericht als Vorsitzender der Osterburger Jägerschaft. Konkret betreffe dies den Gegensatz von nicht bejagbarer Fläche zur Haftung für Wildschäden. Zur Schadensminderung forderte Smyrek Rechtssicherheit. Bei Schadensverantwortung müssten auch alle Voraussetzungen zur Jagd und Bergung des erlegten Wildes geschaffen werden. Dies gelte für das Befahren der Verteidigungswege ebenso wie für die Schlüsselgewalt an den verschiedenen Barrieren.

Wenn gegenwärtig von Wildschweinen gesprochen wird, ist häufig auch von Afrikanischer Schweinepest (ASP) die Rede. Der Stendaler Amtstierarzt Dr. Thoralf Schaffer sieht den aktuellen „Hype“ kritisch, weil er befürchtet, dass bis zum wahrscheinlichen Ausbruch die Aufmerksamkeit für diese „Herausforderung“ verloren gehen könnte. Vor den Jägern in Bretsch sprach Dr. Schaffer ausführlich und detailliert über ASP-Hintergründe und -Geschichte sowie über Erkennung und Bekämpfung. Dafür gibt es auch einen guten Grund, sieht der Amtstierarzt doch gerade bei Weidmännern und -frauen einen wesentlichen Faktor für erfolgreiche Eingrenzung und wirksame Gegenmaßnahmen.

Für die ASP sind Schweine (Haus und Wild) empfänglich. Die für Menschen ungefährliche Krankheit sei zwar schon lange bekannt, in Afrika befallene Warzenschweine seien aber nie erkrankt, so Schaffer. Seit Mitte der 1970er Jahre habe es mehrfach Einzelfälle in Europa gegeben, aber noch nicht in Deutschland. Die ASP sei eine Viruserkrankung und nicht mit Antibiotika behandelbar. Bisher gebe es keine Therapiemöglichkeit. Anders als bei der in Deutschland bekannten Europäischen Schweinepest (auch Klassische Schweinepest genannt) stehe für die ASP auch keine Schutzimpfung zur Verfügung.

Besonderes Problem für die Erkennung: Im Gegensatz zum Hausschwein sind die äußeren optischen Merkmale beim Wildschwein meist nicht gleich erkennbar. Deshalb sei es besonders wichtig, dass Jäger beim Aufbrechen die Veränderungen der inneren Organe – wie eine aufgedunsene Milz ohne scharfe Kanten – wahrnehmen sowie richtig reagieren (genaue Ortsfeststellung und Meldung).

Nach der recht starken ASP-Ausbreitung in Osteuropa bis nach Polen und Tschechien stellt sich für den Amtstierarzt des Landkreises Stendal nicht die Frage, ob die Afrikanische Schweinepest kommt, sondern nur noch wann.

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