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Schwarzer Humor trifft auf spitzen Zeichnerstift

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Cartoonist Phil Hubbe (r.) ist bekannt für seine Zeichnungen über Behinderte. Nicht über sie, sondern mit ihnen zu lachen, sei Ziel des Magdeburgers, schließlich gehört er selbst zu den Behinderten. Seine Arbeiten sind bis Mitte Juni in Arneburg zu sehen. Foto: Boetzer

Arneburg. Von „Normalos“ kommen oft Reaktionen wie: „Das darf man doch nicht“. Aber fühlen sich einige unbeobachtet, „wird herzhaft gelacht“, weiß Phil Hubbe. Der Magdeburger ist Cartoonist, bekannt und gelobt vor allem für seine Zeichnungen über Behinderte.

Er macht Witze über Rollstuhlfahrer, über Menschen mit Blindenbinde am Arm. Allerdings will Hubbe damit nicht über Behinderte lachen, sondern mit ihnen, er ist schließlich auch einer von ihnen. Hubbe, 1966 geboren, ist seit 1985 an Multiple Sklerose erkrankt. Doch „man sieht sie mir nicht an, diese Krankheit mit den 1000 Gesichtern“. Sein Humor sei relativ schwarz, seine Arbeiten müsse nicht jeder gut finden. Die Zeichnungen kommen gerade bei den Behinderten sehr gut an. Gibt es Beschwerden, dann von bestimmten Gruppen, die Hubbe noch nicht aufs Blatt gebracht habe. Erst neulich von einer Epileptikerin, berichtete Hubbe zur Ausstellungseröffnung der Kleinsten Galerie.

Landläufig herrsche die Meinung, dass Behinderte in der Ecke sitzen und jammern. Lebenslustig zu sein, werde ihnen abgesprochen. Hubbe greife zum Zeichnerstift, um überspitzt aus dem realen Leben zu berichten. Will somit „auf Probleme aufmerksam machen“. Dabei verarbeitet er auch seine eigene Krankheit, legt Arbeiten seinen Mitstreitern in der Selbsthilfegruppe vor. Seit 1992 Freiberufler zu sein, war ein schwerer Anfang, doch mittlerweile könne er davon leben.

Von Kindheit an hat Hubbe gezeichnet. Etwas Talent sicherlich vom Opa mitbekommen, der Kunstmaler war. Er studierte Mathematik, ließ es dann doch lieber wieder sein, machte seinen Wirtschaftskaufmann. Der Zeichnerstift ließ ihn nicht los. Das Beste überhaupt: „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht.“ Hubbe beliefert Tageszeitungen und Werbeagenturen, arbeitet für das Fußballmagazin „Kicker“, bebildert Broschüren. Unter dem Titel „Handicaps“ erscheint eine Kalender-Reihe, und vier Bücher mit Behinderten-Cartoons zeugen von Fleiß und Erfolg. Mehrere Auszeichnungen gab es bereits. Hubbe wisse seine Lage zu schätzen, eine Aufgabe zu haben, seinen Job noch machen zu können. Eine gute Medikation halte die Multiple Sklerose in Grenzen. „Anfangs hatte ich extreme Beschwerden“, wenn er den Fuß nicht heben, nichts tragen konnte, ohne Kraft war. Inzwischen „habe ich mich mit der MS arrangiert“. Einen Traum würde sich der Magdeburger gern erfüllen. „Einen Comic zeichnen, eine ganze Geschichte.“ Vielleicht seine eigene mit zwei wichtigen Brüchen in seinem Leben: erst die Krankheitsdiagnose und 1989 die politische Wende. Die Ausstellung im Arneburger Hotel „Goldener Anker“ dauert bis Mitte Juni an.

Von Berit Boetzer

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