„Schulenglisch hat nicht viel geholfen“

Christian Kroh ist nach Ben Engels aus Meseberg der zweite Schüler, den Katrin Kunert für ein Austauschjahr in die USA ausgewählt hat. In wenigen Tagen tritt Marie Rogowski aus Diesdorf ihre Reise nach Amerika an. Für das nächste Schuljahr kann sich derzeit beworben werden.

NEUKIRCHEN / OSTERBURG. Nach einem Jahr USA-Aufenthalt ist kürzlich der Neukirchener Christian Kroh – Schüler des Osterburger Markgraf-Albrecht-Gymnasiums – in die Heimat zurückgekehrt. In Osterburg kam er mit des Bundestagsabgeordneten Katrin Kundert, die ihn für das Austauschjahr ausgewählt hatte, ins Gespräch. Von Matthias Mittank

Von Neukirchen nach Los Angeles – der heute 17-jährige Christian Kroh stieß auf eine völlig andere Welt, nachdem er vor knapp einem Jahr von Frankfurt aus mit dem Flugzeug für ein Austauschjahr in Richtung Kalifornien startete. Mit vielen neuen, kuriosen, aber auch nachdenklich stimmenden Erfahrungen ist der Osterburger Gymnasiast vor wenigen Tagen wieder in der Heimat gelandet. Das Austauschjahr in den USA, das durch ein Stipendium des Deutschen Bundestages und über die Austauschorganisation AFS zustande kam, bereut der Neukirchener trotz anfänglicher Probleme nicht.

Seine erste Erkenntnis in den USA: „Mit ein bisschen Schulenglisch kommt man nicht weit.“ Christian Kroh muss zugeben, dass es vor allem am Anfang nicht immer leicht war in der neuen Heimat zurechtzukommen. Vor allem mit der ersten Gastfamilie, die er sich nicht allerdings nicht aussuchen konnte, gab es Probleme. „Mein Brüder waren fünf, sechs und acht. Und ich mehr Baybsitter als Austauschschüler“, berichtet der 17-Jährige. Doch nach einigen Wochen fand er über einen Schulkameraden eine neue Familie, die ihn aufnahm.

Auch an der Schule, an der der Neukirchener übrigens der einzige Austauschschüler war, lief nicht alles glatt. „Viele Mitschüler fragten mich nach meine Lebensgeschichte aus. Dabei hatte ich erst Probleme, mir die ganzen Namen zu merken“, berichtet Christian Kroh. Kein Wunder – schließlich war die von ihm besuchte High School um ein paar Nummern größer als vergleichbare Schulen in Deutschland. „Rund 4 000 Schüler lernten dort auf einem riesigen Areal. Um sich zurechtzufinden, bekommt jeder Schüler eine Art Stadtplan“, berichtet der Heimkehrer. Bereits der Start in den Schultag war ungewöhnlich. Denn jeder Morgen begann mit dem so genannten „Pledge of Allegiance“, einem in den Vereinigten Staaten üblichen Treuegelöbnis gegenüber der Nation und der Flagge der USA.

Außergewöhnlich auch der Wochenablauf. Denn nach der Wahl der Fächer läuft jeder Tag gleich ab. „Erste Stunde Amerikanische Geschichte, dann Mathe, Englisch und Physik“, zählt Christian Kroh aus. In der fünften Stunde war Zeit, um in einer Art Arbeitsgemeinschaft Schulaktivitäten zu planen. Am Ende des Tages stand Sport auf dem Stundenplan. Um 15 Uhr war der Schultag zu Ende. „Die Ansprüche sind schon etwas geringer als in Deutschland. Es gibt nicht viele Hausaufgaben, sodass relativ viel Zeit für Freizeitaktivitäten bleibt“, berichtet der ehemalige Austauschschüler, dem auch aufgefallen ist, dass die Amerikaner praktisch nichts über die restliche Welt wissen. Die ernst gemeinte Frage, ob in Deutschland die Mauer noch steht, war nur eine von vielen, die dem Neukirchener nachdenklich stimmten.

Dennoch war das zurückliegende Schuljahr eine Zeit in im Leben, die Christian Kroh auf keinen Fall missen möchte. Er hat vom Grand Canyon, über das Death-Valley bis Hawaii viel von den USA gesehen, zahlreiche Freundschaften fürs Leben geschlossen, die dank des Internets aufrechterhalten werden und jede Menge Erfahrungen fürs Leben gesammelt. Wieder zurück in der Heimat, hat der 17-Jährige auch völlig neue Vorstellungen von seiner beruflichen Zukunft. „Früher wollte ich Architekt werden, nun schwebt mir etwas mit Sprachen oder Reisen vor. Doch bis zum Abitur kann sich das auch wieder ändern“, so der Gymnasiast, der die englische Sprache nun nahezu perfekt beherrscht. Nicht immer zum Vorteil: „Ich verstehe nun alle englischen Lieder im Radio und muss sagen, dass dort oft ziemlicher Unsinn gesungen wird“, schmunzelt Christian Kroh.

Hintergrund: Wie gibt es ein PPP-Stipendium?

Im Rahmen des 28. Parlamentarischen Patenschafts-Programms (PPP) werden für das Schuljahr 2011/2012 voraussichtlich 360 Stipendien für ein Austauschjahr in den USA vom Deutschen Bundestag vergeben. Die Bewerbungsfrist endet Anfang September. 285 Schülerinnen und Schüler werden in Amerika die High School und weitere 75 junge Berufstätige ein College besuchen. Das PPP-Stipendium umfasst die Reise- und Programmkosten sowie notwendige Versicherungskosten. Die Stipendiaten leben vor Ort in Gastfamilien.

Die PPP-Stipendiaten werden von Bundestagsabgeordnete, die auch die Patenschaft übernehmen, nominiert. Im Dezember entscheidet sich, welches Mitglied des Bundestages in einem Wahlkreis parlamentarischer Pate wird. Nicht in jedem Wahlkreis kann ein Schüler-Stipendium vergeben werden. Entscheidend ist die jeweilige Bewerberlage. Auch kann erst nach Abschluss des Auswahlverfahrens festgelegt werden, in welchem Wahlkreis kein Schülerstipendium vergeben wird.

Schüler müssen zum Zeitpunkt der Ausreise (31. Juli 2011) mindestens 15 und dürfen höchstens 17 Jahre alt sein. Junge Berufstätige müssen bis zur Ausreise (31. Juli 2011) ihre Berufsausbildung abgeschlossen haben und dürfen zu diesem Zeitpunkt höchstens 24 Jahre alt sein. Die Bewerbungskarte muss spätestens bis zum 3. September bei der für den Wahlkreis zuständigen Austauschorganisation eingegangen sein.

Bewerbungskarten und weitere Infos stellt der Bundestag unter http://www.bundestag.de/ppp zur Verfügung. Ein Infoblatt mit Bewerbungskarte kann beim Deutschen Bundestag, Verwaltung, Referat WI 4, Platz der Republik 1, 11011 Berlin oder per E-Mail (vorzimmer.wi4@bundestag.de) angefordert werden.

Im Rahmen dieses gegenseitigen Austauschprogramms kommen im Sommer 2011 gleich viele amerikanische Schüler sowie junge Berufstätige nach Deutschland. Der Deutsche Bundestag bittet daher um die ehrenamtliche Bereitschaft, einen der jungen Gäste für ein Jahr bei sich aufzunehmen. Die Gastfamilien werden durch Austauschorganisationen unterstützt. Die Adressen dieser Organisationen gibt es unterhttp://www.bundestag.de/internat/internat_austausch/ppp/gastfamilien.html oder im Wahlkreisbüro von Katrin Kunert an der Anne-Frank-Straße 20 in 39576 Stendal.

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