Hightech-Säulen in Erxleben bleiben besudelt / Landkreis: Putzaufwand für Eigentümer zu groß

Schmierfink warnt vor Tempofalle bei Erxleben

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Die Warnung ist schwer zu übersehen.

Erxleben. „Achtung Blitzer“ ist auf die Fahrbahn gesprüht. Wenige Meter weiter bekommt die AfD ihr Fett weg. Die B 189 in Erxleben wurde gleich an mehreren Stellen beschmiert. Die beiden Messsäulen gegen Raser sind von der Attacke noch viel mehr gezeichnet.

Eine der zwei Messsäulen.

Und das wird sich auch nicht so schnell ändern, wenn überhaupt. Die Schmierereien müssen offenbar von allein verblassen. Der Landkreis hat die stationären Blitzer im Herbst 2016 nach einem Antrag der Einheitsgemeinde Osterburg aufstellen lassen. Eigentümer ist ein thüringisches Unternehmen. „Die Jenoptik Robot GmbH ist der Auffassung, dass nur die Scheiben gesäubert werden, da der Aufwand sonst zu hoch wäre“, informiert Landkreis-Sprecherin Angela Vogel in dieser Woche auf Anfrage der AZ.

Messgeräte immer wieder attackiert

Die Scheibe mit dem Messgerät dahinter ist zugekleistert.

Die Farbattacke liegt bereits einige Wochen zurück. Am 18. November um 2.30 Uhr wurde ein letztes Foto gemacht. Nach der Reinigung der Scheiben löste die Technik am 19. November um 13.13 Uhr das erste Mal wieder aus. „Über die Täter ist nichts weiter bekannt.“ Anzeige zu erstatten, sei Sache des Eigentümers, die Bundesstraße zu säubern nicht die des Landkreises. Im Oktober 2016 wurde laut Vogel schon einmal eine Säule mit Farbe beschmiert. Und erst im April dieses Jahres prangte ein Aufkleber des Zweitliga-Fußballklubs 1. FC Magdeburg an einem der Hightech-Geräte in der Osterburger Ortschaft.

Fast 200.000 Euro für die Kreiskasse

Die Kreissprecherin hat auf Nachfrage der AZ gleich auch einmal in die Statistik schauen lassen. Für Januar bis November sind 12 055 verwertbare Verstöße gezählt worden. Um ganz genau zu sein: 197 755 Euro Verwarngeld flossen in die Kreiskasse. 13 011 Mal lagen Fahrer so deutlich über das erlaubte Tempo 50, dass die zentrale Bußgeldstelle in Magdeburg zuständig wurde. Unterm Strich stehen dort für Erxleben 33 387 Euro. Im selben Zeitraum des Vorjahres fielen die Zahlen höher aus: 13 011 Verstöße, 215 215 Euro Verwarngeld, 47 710 Euro Bußgeld. Inwieweit die auf die Straße geschmierten Blitzerwarnungen irgendeinen Einfluss auf die Bilanz 2018 haben, ist reine Spekulation.

Vorerst keine weiteren Anlagen geplant

Weitere stationäre Tempofallen sind momentan nicht geplant. Das Landratsamt setzt neben Erxleben auf ein einziges Messfahrzeug. Vogel: „Nur mit der mobilen Technik sind wir in der Lage, bei Gefahrenstellen schnell einzugreifen, zum Beispiel auf Umleitungsstrecken wegen Bauarbeiten.“ Schnell hielten sich Fahrer dort einmal nicht an die Spielregeln. Mobile Blitzer böten auch einen klaren Vorteil: Aufmerksame können sich nicht auf einen bestimmten Punkt einstellen und müssen überall mit einer Aufnahme rechnen. Die Kreisstadt Stendal hat im April 2014 in ihrer Ortschaft Buchholz zwei Messsäulen aufstellen lassen und setzt zudem in ihrem Gebiet ein Messfahrzeug ein. Die Polizei nimmt im gesamten Landkreis Temposünder ins Visier.

Mobiler Blitzer: Zahl der Verstöße steigt

Das Messfahrzeug des Landkreises sei ein wichtiger Teil der Verkehrsüberwachung und unverzichtbar. Für die Kreissprecherin ein Beleg: „Obwohl die Anzahl der erfassten Fahrzeuge zurückging, ist die Anzahl der Verstöße gestiegen.“ Auch hier ein genauer Blick: Für Januar bis November sind 139 461 Fahrzeuge erfasst und 4826 Verstöße gezählt worden, im selben Zeitraum 2017 waren es 142 427 Fahrzeuge und 4677 Verstöße. Die Zahl der Verwarngelder ist gestiegen von 4386 auf 4528, die der Bußgelder von 291 auf 298. Ziel sowohl der stationären als auch der mobilen Überwachung sei es, für mehr Sicherheit auf den Straßen zu sorgen.

Von Marco Hertzfeld

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