Neu-Altmärker verbinden mit Beuteltier-Quartett ihre Liebesgeschichte

Im Schlosspark hüpft es: Kängurus fest im Herzen

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Nadin Jüngst nutzt erste Sonnenstrahlen nach etlichen grauen Tagen für einen zusätzlichen Besuch bei den Kängurus. Die insgesamt vier Tiere seien übrigens auch ganz gute Rasenmäher.

Calberwisch. „Meine Lieblinge sind ziemlich kamerascheu, das sage ich Ihnen gleich“, bemerkt Nadin Jüngst und öffnet die Holztür zu einem Gehege mit extra hohem Zaun. Auf dem Gelände in Calberwisch leben echte Australier, Tasmanier, um genau zu sein.

Als die junge Frau ruft, schauen alle vier Kängurus auf und bewegen sich einige Meter auf sie zu. Als der Fremde erscheint, machen die Tiere sofort kehrt und hüpfen in eine andere Ecke ihres Domizils. „Nehmen Sie es nicht persönlich“, meint die Neu-Altmärkerin schmunzelnd. Als die Familie vor gut einem Jahr aus Hamburg in das Schloss zog, bekamen die Wallabys gleich nebenan ihr neues Zuhause. Die Art stammt eben eigentlich aus dem Süden der Erde, fühle sich aber auch im Norden des Landkreises Stendal pudelwohl. Die Kängurus, zwei graue und zwei weiße, erhalten spezielles Zootierfutter und haben sogar ein Winterhäuschen.

Die Tiere sind mit einer Liebesgeschichte verbunden. „Bei einem Besuch im Vivarium, einem kleinen Zoo in Darmstadt, haben mein Mann und ich uns so richtig ineinander verliebt.“ Gemeinsam hatte das Paar dort Bennett-Kängurus beobachtet. „Es sind ganz besondere Tiere mit einem tollen Sozialverhalten, einer außergewöhnlichen Familienbeziehung. Sie umarmen sich und manchmal sieht es so aus, als ob sie sich Küsschen geben. Und wenn die Tiere Zweige abnagen, glaubt man tatsächlich, sie spielten auf einer Flöte“, schwärmt die Mutter einer vierjährigen Tochter. Als Ehemann Jochen seiner Frau vor fünf Jahren die Kängurus zum Hochzeitstag schenkte, machte er ihr damit eine Riesenfreude.

„Ich war schon immer eine große Tierfreundin.“ Auf dem Anwesen hält die Familie Pferde der Rassen Araber und Anglo-Araber. Auf dem Teich schwimmen Schwäne und Enten. Zwei Gänse laufen schnatternd umher. Pfauen rufen. In einem Gatter leben Rothirsche. Hunde und Katzen gehören ebenfalls dazu. „So fühlen wir uns wohl in unserem neuen Zuhause.“ Ein Stück weit wollen die Jüngsts ihr kleines Paradies mit anderen teilen. Aus dem 1875 im Stil der Neorenaissance errichteten Bau soll ein Rosenschloss werden. Schon jetzt können Paare dort heiraten. Das Schloss Calberwisch ist eine Außenstelle des Standesamtes Osterburg. Auch für Kulturveranstaltungen könnte sich das Tor öffnen. Das Anwesen soll weiter peu à peu aufgefrischt werden, möglichst nach historischem Vorbild. Keine leichte Aufgabe, wie Jüngst im Gespräch mit der AZ unumwunden zugibt. „Aber wir packen das.“

Dazu gehöre es auch, eine sanierte Wohnung im Schloss zu vermieten. „Wir suchen für die 65 Quadratmeter eine Einzelperson mit geregeltem Einkommen. Sie muss unbedingt ein Herz für Tiere haben und naturverbunden sein.“ Richtigen Familienanschluss gebe es zwar keinen, dafür aber die Möglichkeit, sich neben dem eigentlichen Beruf bei den Tieren und im Schlossgarten zu entfalten.

Von Marco Hertzfeld

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