Nach Tadel des Landes sucht Stadt für Schlossteich passenden Fördertopf

Schlamm zersetzt den Krumker Gartentraum

Am Teich steht sogar eine Liebesbank für Paare. Auch sie bleibt in der Corona-Hochzeit oft verwaist. Fotos: hertzfeld
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Am Teich steht sogar eine Liebesbank für Paare. Auch sie bleibt in der Corona-Hochzeit oft verwaist.

Krumke – Organisierte Angler und Stadtgärtner holen einen kleinen Teil des Problems auch schon einmal mit einfachsten Geräten ans Ufer. Modergeruch zieht dann durch den Krumker Schlosspark. Immer mehr Schlamm lagert sich auf dem Grund des Gewässers ab.

Die Sorgenfalten in Politik und Verwaltung dürften in den vergangenen Jahren nicht kleiner geworden sein.

Über ein großflächiges Ausbaggern ist immer wieder gesprochen worden und immer wieder ist es vor allem mit Blick auf die Kosten verworfen worden. Mitte Juni hat das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie (LDA) der Hansestadt Osterburg die Entschlammung des Karpfenteiches ins Hausaufgabenheft geschrieben.

Der Park ist reich an Bäumen, Fluch und Segen zugleich. Die Blätter fallen in den Teich, verrotten und machen die Lebensbedingungen für die Fische nicht unbedingt besser. Und natürlich: Das Gewässer ist einer der Anziehungspunkte auf einem historisch gewachsenen Gelände, das zum Gartenträume-Netzwerk des Landes gehört. Im Rathaus hat man die Mahnung verstanden, Bürgermeister Nico Schulz (Freie Wähler) spricht auf seiner Internetseite selbst von Missständen, auf die das LDA aufmerksam gemacht habe. Der Teich gehört der Kommune und misst immerhin gut einen Hektar, was ungefähr eineinhalb Fußballfeldern entspricht. Ein Königsweg scheint noch nicht gefunden.

Stadtmitarbeiter und Angler der Gruppe Handwerk bauen vor einigen Jahren eine Uferbefestigung neu auf. Ein Teil des Wassers ist abgelassen, Schlamm tritt zutage. Säuberungsaktionen am Teich des Schlossparks finden regelmäßig statt.

Knackpunkt war, ist und bleibt offenbar das Geld. „Ein spezielles Förderprogramm haben wir noch nicht im Auge“, teilt Bauamtsleiter Matthias Köberle der AZ auf Nachfrage mit. Finanzielle Mittel seien bisher noch nicht eingeplant. „Nach groben Schätzungen wird ein hoher fünfstelliger Betrag benötigt.“ In der Vergangenheit war auch schon mal die Rede von mindestens 150 000 Euro, die eine Entschlammung kosten würde. Einen halben Meter und mehr dürfte die moderige Schicht fast überall im Teich dick sein. Ein Gärtner wollte sich vor vier Jahren gegenüber der AZ auch daran erinnern, dass vor geraumer Zeit schon einmal einige Tonnen Schlamm aus dem Gewässer herausgeholt worden sein müssen.

„Bei einer Teichentschlammung werden die abgelagerten Sedimente nahezu vollständig entfernt“, schaut Köberle schon einmal voraus. Sind Proben des Aushubes untersucht, wird entschieden, was mit den Massen passiert, inwieweit sie wo abgelagert werden und verwertet werden können. „Im ungünstigsten Fall steht eine fachgerechte Entsorgung an, die Kosten dafür sind im Vorfeld nicht bestimmbar.“ Im Klartext: Die Ausgaben für eine solche Aktion können auch noch deutlich höher ausfallen, als momentan vorsichtig geschätzt. Der Chef des Bau- und Wirtschaftsförderungsamtes weiß: „An der Komplexität der Maßnahme hat sich nichts geändert.“ Der Teich im Krumker Gartentraum-Park hat seinen Preis.

Das denkmalpflegerisch-touristische Netzwerk „Gartenträume – Historische Parks in Sachsen-Anhalt“ feiert 2020 ein Jubiläum, es besteht seit zwei Jahrzehnten. Die Corona-Pandemie hat auch den Veranstaltungskalender der Gartenträume arg beschnitten. An die 50 Parkanlagen unterschiedlichen Charakters sollen zum Netzwerk gehören, darunter das Dessau-Wörlitzer Gartenreich, das Europa-Rosarium in Sangerhausen und der Elb-auenpark in Magdeburg. Krumke ist demnach das nördlichste Gartenträume-Projekt. Offiziell gezählt werden die Besucher nicht. In normalen Zeiten schauen monatlich geschätzt im Schnitt 1200 Gäste vorbei. Köberle geht von jährlich fast 15 000 Parkbesuchern aus.

In Krumke vereinten sich begehbare Historie, eine wunderschöne Park- und Gartenlandschaft mit seltenen Pflanzen und Gehölzen und erlebbare Kunst- und Kulturveranstaltungen, schwärmt Amtsleiter Köberle. Das LDA hat bei der Stippvisite im Juni auf weitere Missstände hingewiesen: nicht zuletzt mangelnde Wegepflege und wilde Wachsungen, das Alpinum, ein Steingarten mit Schwerpunkt Alpenflora, sollte saniert werden. Insgesamt, so Bürgermeister Schulz in seiner Internetbilanz, habe der Park im Osterburger Ortsteil aber einen sehr guten Eindruck hinterlassen. Er sei sogar „zur Kategorie der fünf besten Parkanlagen in Sachsen-Anhalt“ gezählt worden. VON MARCO HERTZFELD  

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