Pfarrer sieht Vorzeigeprojekt in Orpensdorf durch Denkmalschutz gefährdet

Rosenkrieg zehrt an Hochzeitskirche

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Die eher zierlich wirkende Kirche, 1747 errichtet, fällt aus dem Rahmen, allein schon wegen der Farben Rosa, Weiß und Grün.

Orpensdorf – So schön das rosa Rokoko-Gotteshaus in Orpensdorf auch ist, Pfarrer Norbert Lazay möchte schon gar nicht mehr genau hinschauen und verliert allmählich den Glauben an das ambitionierte Leader-Projekt einer Hochzeitskirche.

„Die denkmalrechtliche Genehmigung zieht sich unheimlich in die Länge“, macht sich der Gladigauer Pfarrer auf Nachfrage der AZ Luft. „Liegen alle Unterlagen nicht spätestens bis 31. Januar beim Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten vor, geht alles auf null. Und wir müssen neue Anträge stellen. Der 31. Januar ist ein Hoffnungstag oder Schmerztag, ganz so, wie man es sehen will.“

Die künftige Hochzeitskirche, in der auch standesamtliche Eheschließungen stattfinden sollen, muss saniert werden, insbesondere das Dach. Und dort liegt der Hase im Pfeffer. „Es geht um die richtige Abdeckung, was sein muss und was nicht, auch eine Kostenfrage. Wir müssen einen Kompromiss finden zwischen Funktionalität und Denkmalschutz“, möchte der Pfarrer nicht groß ins Detail gehen. Der Adressat ist allerdings bekannt und sitzt im Stendaler Landratsamt, die Denkmalschutzbehörde. Über Geld redet Lazay ungern. Vor einiger Zeit hieß es: Die Gesamtkosten liegen im sechsstelligen Bereich.

Die Pläne der evangelischen Kirchengemeinde sind sieben lange Jahre alt, mindestens, einige Male hat es das Projekt nicht entscheidend auf eine Förderliste geschafft. Die Schäden durch Wind und Wetter würden immer größer und damit die Folgekosten, wobei Baupreise derzeit ja allgemein in die Höhen schössen, meint Lazay. Als die Lokale Aktionsgruppe Mittlere Altmark das besondere Projekt für 2018 in die Prioritätenliste schrieb, war die Erleichterung groß. Doch Pustekuchen. Der Pfarrer hat dennoch weiterhin die schönsten Bilder im Kopf: preußisches Rokoko, Sonnenschein, glückliche Gesichter, Romantik pur.

Die eher zierlich wirkende Kirche, 1747 errichtet, fällt aus dem Rahmen, allein schon wegen der Farben Rosa, Weiß und Grün. Nach dem Tod von Gutsbesitzer Gustav Falck 1743 heiratete Witwe Anna Katharina Kraatz den bekannten Berliner Baubeamten Friedrich Wilhelm Diterichs. Das Orpensdorfer Gotteshaus ähnelt in vielem der Schlosskirche Buch in Berlin, die ebenfalls nach Entwürfen des gebürtigen Uelzeners entstand, ist aber ob der begrenzten Geldmittel viel schlichter gehalten. Diterichs hat übrigens auch maßgeblich am Bau des Schlosses Sanssouci in Potsdam mitgewirkt.

Zukünftig sollen in der Kirche nicht allein mehr nur Christen den Bund fürs Leben schließen dürfen. Lazay sieht in der künftigen Hochzeitskirche einen Gewinn für den gesamten Landstrich und hofft, einen echten Anziehungspunkt für Menschen aus nah und fern zu entwickeln. Allzu oft habe sich die Tür für evangelische oder auch katholische Paare in der jüngeren Vergangenheit nicht geöffnet. Überhaupt gebe es in der Region nun einmal immer weniger Gemeindemitglieder. Jede Kirche verdiene es, erhalten zu bleiben, findet Lazay. Orpensdorf biete dafür auch noch diese ungewöhnliche Chance.

Der Landkreis hat sich bislang nicht geäußert. Bis Redaktionsschluss ist keine Stellungnahme eingegangen.

VON MARCO HERTZFELD

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