Bauzeit zur Hochzeitskirche läuft ab / Immerhin: Kein Schwamm im Holz

Rosa Rokoko-Perle in Orpensdorf ziert sich wieder

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Der Lastenaufzug steht an diesem Vormittag still. Baufachleute und Vertreter der evangelischen Kirche haben noch einmal genau hingeschaut. Die Bauarbeiten sollen in den nächsten Tagen weitergehen. Die Zeit sitzt allen im Nacken.

Orpensdorf – Die zukünftige Hochzeitskirche in Orpensdorf ziert sich auch noch zum Ende hin. Die Arbeiten sind ins Stocken geraten. „Es wurde vermeintlich neuer Holzschwamm entdeckt.

Die gute Nachricht ist, dass es kein Schwamm ist“, sagt Norbert Lazay der AZ erleichtert.

Fachleute haben sich die Stellen noch einmal ganz genau angeschaut. Dass die Handwerker ab Montag wieder so richtig loslegen können, der Pfarrer hofft es. „Zeitlich wird es allmählich knapp, wir müssen noch einmal in die Planung. “ Fördermittel fließen, eine zeitliche Grenze ist gesetzt. „Eigentlich sollte Ende Mai / Anfang Juni so gut wie alles fertig sein. Das ist kaum zu schaffen. “ Vielleicht gebe es ja eine Verlängerung, offiziell erlaubt oder auch nur gnädig akzeptiert, wenngleich sich nicht alles mit Corona begründen lasse.

Für Lazay ist das Projekt eine Herzensangelegenheit, wenn auch eine von Pragmatismus getriebene. Künftig sollen in der rosa Rokoko-Perle auch standesamtliche Hochzeiten stattfinden und nicht nur kirchliche. Allzu oft hatte sich die Tür für evangelische und katholische Paare in jüngerer Vergangenheit nicht geöffnet, die Zahl der Christen in der Region ist überschaubar.

Seit mindestens gut einem Jahrzehnt machen sich Kirchengemeinde und Lazay für das besondere Konzept stark. Sind die Erneuerungsarbeiten abgeschlossen, will der Altmärker die Werbetrommel auch überregional rühren. Faltblätter sind in Vorbereitung, Teilnahmen an Hochzeitsmessen und ähnlichen Veranstaltungen vorgesehen. „Für den Erfolg müssen wir weiter arbeiten“, sagt Lazay im AZ-Gespräch.

Baumaterial lagert dieser Tage vor dem Kirchengelände. Wie lang der Aufgabenzettel der Handwerker am Ende tatsächlich wird, muss sich erst noch zeigen.

Das eher zierlich wirkende Gotteshaus, Mitte des 18. Jahrhunderts errichtet, fällt allein schon wegen der Farbgebung aus dem Rahmen. Nach dem Tod von Gutsbesitzer Gustav Falck 1743 heiratete Witwe Anna Katharina Kraatz den bekannten Berliner Baubeamten Friedrich Wilhelm Diterichs. Die Orpensdorfer Kirche ähnelt in vielem der Schlosskirche Buch in Berlin, die ebenfalls nach Entwürfen des gebürtigen Uelzeners entstand, ist allerdings etwas schlichter gehalten. Diterichs hat übrigens auch maßgeblich am Bau des Schlosses Sanssouci in Potsdam mitgewirkt. Lazay, Vorsitzender des Altmärkischen Heimatbundes, kennt auch dazu viele Jahreszahlen und allerhand Beschreibungen. Eine rosa Kirche wie im Gladigauer Ortsteil gibt es weit und breit kein zweites Mal.

Rund 150 000 Euro stehen für die Bauarbeiten zur Verfügung, ein beachtlicher Teil davon kommt aus dem Leader-Programm ein weiterer Teil von Lotto-Toto. Fördergelder müssen rechtzeitig abgerufen werden, sonst könnten sie verfallen. Der Pfarrer will optimistisch bleiben. Aus der besonderen Kirche, die selbstredend unter Denkmalschutz stehe, soll endlich ein besonderer Ort für möglichst viele heiratswillige Paare werden. Die Gerüste sollten im Herbst aufgestellt werden, dann wurde März daraus. Handwerker widmen sich nicht zuletzt dem Dach des Kirchsaals, der Fassade und auch dem Sockelbereich. Der Sakralbau ist unter anderem von größeren Wasserschäden gezeichnet. Die Orpensdorfer Kirche des berühmten Baumeisters soll möglichst zurück zu altem Glanz.

VON MARCO HERTZFELD

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