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Raus aus der Isolation

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Sibylle Rekal (Mitte) sprach über ihre psychische Erkrankung. Prof. Matthias Morfeld (Hochschule Magdeburg-Stendal) und Nadine Helmke von der Lebenshilfe hörten aufmerksam zu. © Ziems

Osterburg. „Ich möchte wieder zurück in den ersten Arbeitsmarkt“, sagte Sibylle Rekal gestern mit fester Stimme. Die Stendalerin leidet an einer psychischen Erkrankung und sprach offen darüber. Und zwar während der Feier zum zweijährigen Bestehen von „Prisma“.

Die Einrichtung der Osterburger Lebenshilfe befindet sich am Schaugraben und hilft Menschen, psychisch wieder auf beide Beine zu kommen.

Das dies alles andere als einfach ist, wurde während einer Podiumsdiskussion deutlich. Moderator Prof. Matthias Morfeld lenkte den Blick immer wieder auf den Weg, aus der Erkrankung herauszukommen. Bei Sibylle Rekal war die jetzige Situation nicht absehbar. Sie hat eine normale Ausbildung, ist Mutter und geriet vor einigen Jahren in die Arbeitslosigkeit. Auch eine Maßnahme der Agentur half nicht, schließlich wurde bei ihr eine psychische Erkrankung diagnostiziert.

„Prisma hilft mir wirklich sehr. Wenn ich hierher komme, ist es wie eine Erholung für mich,“ meinte Sibylle Rekal und fügte schmunzelnd hinzu: „Natürlich wird auch gearbeitet.“ Doch dabei werden die Besonderheiten der Teilnehmer sowie Beschäftigte, in Osterburg gibt derzeit etwa 40 Frauen und Männer, berücksichtigt. So geht es unter anderem darum, eigene Fähigkeiten erstmals oder wieder zu entdecken. Wer seine Stärken sowie Schwächen kennt, der kann sich beruflich orientieren.

Dabei bildet die Einrichtung der Lebenshilfe einen Baustein. Gemeinsam mit Spezialisten versuchen sie für die Erkrankten eine Art Lotse zu sein. Dabei geht es oft darum, zunächst wieder einen strukturierten Tagesablauf mit einem gewissen Maß an Disziplin zu erreichen. Behutsam werden die Betreuten in Richtung des Arbeitsprozesses gebracht. Die Werkstätten der Lebenshilfe bieten dabei Betätigungsfelder.

Produktionsleiter André Wenisch unterstrich gestern, dass aber auch die Verbindung zum ersten Arbeitsmarkt gesucht wird. Geschäftsführerin Regina Bahlke nannte in diesem Zusammenhang Praktika als Möglichkeit. Doch dafür sind noch mehr aufgeschlossene Arbeitgeber, die aber auch beratende Hilfe brauchen, wichtig.

Von Christian Ziems

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