Dorftheater will im Jubiläumsjahr 20 000er-Marke knacken / Kartenverkauf am 28. Januar

Plappert Papagei plattdeutsch?

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Wirtin Marita Roloff, Intendant Horst Bannehr (Mitte) und Regisseur Norbert Lazay freuen sich auf die neue Spielzeit. 

Gladigau. „Zu Beginn konnten wir noch den jugendlichen Liebhaber geben, jetzt kommen die Charakterrollen“, meint Norbert Lazay und lacht. Was für einzelne Darsteller ja vielleicht stimmen mag, lässt der Regisseur für das Dorftheater Gladigau selbst nicht gelten.

Jugendlich frisch und charakterlich gefestigt will die Truppe auch in der 15. Spielzeit ihr Publikum überzeugen. Für das kleine Jubiläum haben die Altmärker das Stück „Raphael vör Gericht“ ausgewählt. Premiere ist am 4. März. Die Werbetrommel braucht nicht großartig gerührt zu werden. Wann und wo es die insgesamt gut 1700 Karten für die 18 Wochenendvorstellungen gibt, ist für die Fans der plattdeutschen Mundart die wichtigste Frage.

Intendant Horst Bannehr hat es gestern bei einem Pressegespräch spannend gemacht. Ja, die Tickets werden wieder an einem einzigen Tag verkauft. Ja, der Preis pro Karte liegt unverändert bei acht Euro. Ja, es gibt kein Limit, wie viele Karten ein jeder erwerben kann, wenn Schluss ist, ist Schluss. Und endlich: Der Verkauf findet am 28. Januar, einem Sonnabend, statt. Wer wie viel Karten haben will, wird ab 7 Uhr notiert, vorher nicht, der direkte Verkauf beginnt eine Stunde später. Erfahrungsgemäß seien die Tickets spätestens mittags ausverkauft. Lazay: „Die Leute werden wieder sternförmig aus allen Ecken der Altmark zu uns kommen.“

Das Dorftheater habe 2003 an eine alte Tradition angeknüpft, schon vor dem Zweiten Weltkrieg hätten Gladigauer die niederdeutsche Sprache auf der Bühne gepflegt. Mit dem Stück „Tante Adelheid“ hatte damals alles begonnen. 213 Vorstellungen mit insgesamt 19 170 Besuchern später sei der Theaterverein, zumal unter dem Dach des Altmärkischen Heimatbundes, gefestigter denn je, meint Lazay. Am Anfang zählte die Organisation sieben Mitglieder, wenig später 27, aktuell sind es mehr als 50. Mindestens 40 Sponsoren geben der Laienspielgruppe ein gutes finanzielles Gefühl. Der Verein schreibe schwarze Zahlen, Gewinn im klassischen Sinn sei sowieso tabu. Was am Ende jeder Saison übrig bleibt, fließt nicht zuletzt in die Technik. So gut wie alles stemmen die Gladigauer allein, von der Garderobe bis zum Bühnenbild. Das Stendaler Profi-Theater helfe, wo es nicht anders gehe.

Über das Jubiläumsstück will Lazay noch nicht allzu viel verraten: „Es gibt ein Geheimnis, das sich durch das ganze Stück zieht und quasi erst in letzter Minute gelüftet wird.“ Ach ja, Raphael sei übrigens ein Papagei. „Mehr sage ich nicht.“ Hinter vorgehaltener Hand heißt es noch, der Papagei habe unzüchtige Lieder gesungen. Vielleicht ja sogar auf Plattdeutsch? Ein Fall fürs Gericht. Der Dreiakter dauert eineinhalb Stunden. Das Ensemble: Bernd Zimmermann, André Grothe, Dany Schulz, Christine Neumann, Simone Wiesner, Beate Henning, Torsten Dahms und Petra Kaufmann. Zwei der Darsteller seien völlige Frischlinge und natürlich gehe einigen das Plattdeutsche nicht so einfach über die Lippen. Fachberaterin Ursula Müller habe deshalb sicherlich wieder eine der wichtigsten Aufgaben.

Geprobt wird seit August in der „Alten Schule“, dem Haus vieler Vereine in Gladigau. Spielort des Dorftheaters war und ist der „Dörpsche Krug“ der Familie Roloff. Im Jubiläumsjahr soll mit „Raphael vör Gericht“ aus der Feder von Horst Helfrich und ins Niederdeutsche übersetzt durch Bolko Bullerdiek, die Marke von 20 000 Besuchern des Dorftheaters Gladigau geknackt werden. Wer will daran zweifeln? Die Vorstellungen: 4. (Premiere), 10., 17. und 24. März jeweils eine Aufführung 19 Uhr sowie 5., 11., 12., 18., 19., 25. und 26. März jeweils zwei Veranstaltungen, 15 und 18 Uhr.

Von Marco Hertzfeld

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