„Perfekt für Rollstuhlfahrer“

Sie trainieren für eine Woche an der Landessportschule in Osterburg: Mit Pia Lingnau aus Dortmund (l.) ist auch eine Top-Fahrerin mit von der Partie. In ihrer Schadensklasse ist sie die schnellste Handbikerin Deutschlands und die Drittschnellste der Welt.

Osterburg - Von Matthias Mittank. Wer auf den Rollstuhl angewiesen ist, ist sportlich gesehen noch lange nicht zum Nichtstun verurteilt. Ganz besonders gilt das für die Sportler des Universitätssportclubs Magdeburg (USC), die mit ihren so genannten Handbikes deutlich schneller als so manche Fahrradfahrer in der Natur unterwegs sind. In dieser Woche bereiten sich die USC-Handbiker, die aus ganz Deutschland kommen, an der Landessportschule Osterburg auf die neue Saison vor, die in wenigen Tagen beginnt.

Die Rollstuhlsportler vom USC Magdeburg demonstrieren eindrucksvoll, dass auch behinderte Menschen befähigt sind, Sport zu treiben und ihrem Leben Sinn und Erfüllung zu geben. „Es ist der perfekte Sport für Rollstuhlfahrer“, findet Peter Fuhrmann, der sich seit 1966 im Behindertensport engagiert. Seit gestern trainiert der Magdeburger zusammen mit einer bundesweit zusammengewürfelten Gruppe aus Bad Pyrmont, Bielefeld und Dortmund an der Landessportschule in Osterburg. „Wir werden hier sehr gut umsorgt. Auf die individuellen Bedürfnisse eines jeden einzelnen wird eingegangen“, gab es vom Handbiker, der seit rund sechs Jahren jährlich ein- bis zweimal in der Biesestadt trainiert, nur lobende Worte. Auch die altmärkischen Landschaft mit ihrem gut ausgebauten Netz an ländlichen Wegen und Radwegen kommt den Sportlern sehr entgegen.

Auf gerader Strecke können die Handbiker, die insbesondere für Marathon-Distanzen (42,195 Kilometer) trainieren, Geschwindigkeiten von über 40 km/h erreichen. „Die Weltrekordzeit bei einem Marathon liegt bei einer Stunde und drei Sekunden“, weiß Thomas Wagner aus Bad Pyrmont, der 2004 die Rennserie „Handbike Citymarathon Trophy“ (HCT) mit aus der Taufe gehoben hat. Fünf Rennen, die immer parallel zu Marathon-Läufen veranstaltet werden, gibt es in diesem Jahr. Los geht es bereits in knapp zwei Wochen in Hamburg. Bis dahin heißt es noch kräftig trainieren. Rund 400 Kilometer werden die Handbiker bis zum Freitag rund um Osterburg abspulen. Gestern ging es in Richtung Arendsee.

„Leider“, so Fuhrmann, „gibt es für den noch relativ jungen Sport nur wenige Sponsoren.“ Auch der USC Magdeburg muss ohne Geldgeber auskommen. Da man beim Kauf eines soliden Handbikes mindestens 4 000 Euro auf den Tisch legen muss – weitere Kosten entstehen durch die Wettkampfteilnahmen – kann sich den Sport nicht jeder Rollstuhlfahrer leisten.

Hintergrund:

Das Handbike ist ein Fahrzeug, das allein durch die Arme angetrieben wird. Es gibt zwei Grundtypen: das Adaptivbike, welches an fast jeden handelsüblichen Rollstuhl montiert werden kann, und das reine Rennbike, das ohne Rollstuhl auskommt. Das erste einem Handbike ähnliche Gefährt wurde etwa 1655 von dem damals 22-jährigen Stephan Farfler, einem behinderten und handwerklich geschickten Uhrmacher aus Altdorf bei Nürnberg, erfunden und gebaut. Das moderne Handbike wurde erstmals 1983 in den USA hergestellt. Die ersten Rennen fanden 1993 anlässlich der Human-Powered-Vehicles-Szene (Liegeräder) statt. Seit 1998 werden die meisten Rennen innerhalb von Stadtmarathons veranstaltet. Das Handbiken ist vom Internationalen Paralympischen Committee (IPC) anerkannt. Bei den Sommer-Paralympics 2004 in Athen waren die Handbiker erstmals am Start.Quelle: http://www.wikipedia.de

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