„Die Natur wird uns dazu zwingen“

Osterburger Professor äußert sich zu den Folgen des Klimawandels

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Viele Tausend, überwiegend junge Menschen, demonstrieren derzeit freitags gegen den Klimawandel, so wie hier in Stendal. Der Osterburger Professor Dr. Roland Köhn sieht dringenden Handlungsbedarf. 

Osterburg – Professor Dr. Roland Köhn, der bis zu seiner Emeritierung an der Hochschule Anhalt im Fachbereich für Landwirtschaft, Ökotrophologie und Landschaftsentwicklung tätig war und auch studierte Landwirt ist, wünscht sich konkrete Maßnahmen bei der Bekämpfung des Klimawandels.

Im Gespräch mit der AZ macht der Osterburger deutlich, dass seiner Auffassung nach massive Veränderungen nötig sind, um die globale Erwärmung zu stoppen.

„Es gibt zwei Dinge, die das Leben beziehungsweise das Überleben der Menschheit auf der Erde bedrohen. Das ist die Gefahr eines alles vernichtenden Atomkrieges und der Klimawandel“. Es geht für den erfahrenen Landwirt um nicht weniger als „die Sicherung der Bedingungen, die menschliches Leben auf der Erde auf Dauer möglich machen“. Köhn glaubt, dass der Klimawandel in Zusammenhang mit der bis 2050 auf schätzungsweise zehn Milliarden Menschen anwachsenden Weltbevölkerung künftige Generationen vor sehr große Herausforderungen stellt. „Diese Menschen zu ernähren, ist im Zusammenhang mit dem Klimawandel und den daraus sich ergebenden und notwendiger Weise zu lösenden Problemen bei der Erzeugung der landwirtschaftlichen Grundnahrungsmittel eine gewaltige Herausforderung für die gesamte Menschheit“, so der Professor im Ruhestand. Klimaschutz, der Erhalt der Artenvielfalt und die Sicherung der menschlichen Ernährung, werden laut Köhn sehr viel Geld kosten.

Zu erreichen sei dies nur mit einer Agrarwende zum Schutz des Bodens und des Grundwassers und einer Wende zu einem sparsameren Ressourcenverbrauch insgesamt. „Wir brauchen eine Wende in unserem Konsumverhalten, im Ernährungsverhalten, in unserem Lebensstil, wir brauchen ein schärferes Umweltbewusstsein, wir brauchen dringend eine Verkehrswende, wir müssen mehr Geld für die Bildung und die Wissenschaft einsetzen“, führt er aus. Ein wichtiger Bereich, in dem viele Ressourcen gespart werden könnten, ist für Köhn die Rüstungsindustrie.

Die Politik und die Gesellschaft insgesamt seien gefordert, die Weichen für Änderungen zu stellen. Anreize und Selbstverpflichtungen werden hierfür laut dem Landwirt nicht ausreichen. Es werde auch Verbote geben müssen. „Es ist die Aufgabe der Politiker, den Menschen das zu erklären, auch warum es dabei nicht ohne persönliche Einschränkungen und Belastungen gehen wird. Die Frage, ob die Menschheit in der Lage sein wird, diese Herausforderungen anzunehmen erübrigt sich, weil die Natur uns dazu zwingen wird“, appelliert Köhn.

VON TOBIAS HENKE

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