Eine Fraktion ohne Mitglieder

Osterburger Christdemokraten trotzen Querelen mit dem Kreisverband

+
CDU-Fraktionsvorsitzender Michael Handtke (Dritter von links, hier bei einer Pressekonferenz anlässlich des Ausschlusses aus der CDU) fühlt sich trotz des Streits mit dem Kreisverband weiterhin mit der Partei verbunden.

Osterburg – Es ist ein Kuriosum, das es auch auf kommunalpolitischer Ebene eher selten gibt. Die größte Fraktion im Osterburger Stadtrat ist die CDU, allerdings hat niemand, der für die Union im Stadtrat sitzt, ein Parteibuch der Christdemokraten.

Mit Blick auf den Zwist mit der Kreistagsfraktion hat die AZ sich mal bei einigen Mitgliedern umgehört, wie sie mit der Situation umgehen.

„Ich war der Einzige, der noch ein CDU-Parteibuch hatte, als ich bei der diesjährigen Kommunalwahl wiedergewählt wurde“, so der Fraktionsvorsitzende Michael Handtke gegenüber der AZ. Inzwischen musste er es, wie einige weitere Parteimitglieder, darunter Bürgermeister Nico Schulz, bekanntlich zwangsweise abgeben. Das Verfahren vor dem Parteiengericht läuft noch. „Unabhängig davon ist die CDU auch weiterhin die Partei, der ich mich am stärksten verbunden fühle. Die Werte und Inhalte, wofür die Partei steht, sind ja immer noch dieselben.“ Sollte der Ortschaftsverband dies wünschen, würde Handtke auch erneut auf der CDU-Liste für den Osterburger Stadtrat kandidieren. Er könnte den Zwist mit dem Kreisverband um dessen Vorsitzenden Chris Schulenburg von seiner kommunalpolitischen Arbeit trennen, sagt Handtke.

Ein kommunalpolitisches Urgestein ist der Königsmarker Ortsbürgermeister Rainer Moser, der erst während dieser Legislaturperiode von der SPD- zur CDU-Fraktion wechselte. „Ich halte mich aus dem Streit mit dem Kreisverband raus. Auf den Fraktionssitzungen war das bei uns bisher noch gar kein Thema.“ Diese Aussage hält ihn jedoch nicht davon ab, sich klar ablehnend gegenüber dem Kreisverband zu positionieren. Jüngstes Beispiel sei die Landratswahl gewesen und das Agieren nach der verheerenden Niederlage von Amtsinhaber Carsten Wulfänger, „Aus dem Kreisverband hat sich am Wahlabend niemand bei ihm blicken lassen und Zuspruch gespendet. Das finde ich schon ein bisschen brutal“, sodass eindeutige Statement des Königsmarkers. Mit die Einzigen, die ihre Solidarität auch in der Niederlage zeigten, seien Seehausens Verbandsgemeindebürgermeister Rüdiger Kloth und Osterburgs Einheitsgemeindebürgermeister Nico Schulz gewesen. Und damit ausgerechnet zwei CDU-Rebellen und Gründungsmitglieder der auf Kreisebene tätigen Wählergemeinschaft Pro Altmark.

In dasselbe Horn wie Handtke und Moser stößt auch der Stadtratsvorsitzende Thorsten Werner. Der Landwirt, ebenfalls für die Christdemokraten im Stadtrat, hat eine klare Meinung: „Ich bin auch nicht damit einverstanden, wie sich der Kreisverband verhält, aber das ändert nichts daran, dass ich weiterhin gerne Kommunalpolitik in der CDU-Fraktion mache“.

Nach dem Desaster bei den Kommunalwahlen und bei der Landratswahl stellt sich nun nicht zuletzt die Frage, ob der massiv geschwächte Kreisverband nicht auf Kritiker in der eigenen Partei zugehen sollte, statt wie im Fall der Osterburger CDU auf Konfrontation zu setzen und jede Kritik einfach beiseite zu wischen.

VON TOBIAS HENKE

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare