Stadtrat nennt Details für finanzielle Beteiligung der Bürger

Osterburg: Viel Wind um Schatzbriefe

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Die Einnahmen aus drei städtischen Windkraftanlagen im Osterburger Norden stehen für Schatzbriefe zur Verfügung, die von Einwohnern der Einheitsgemeinde erworben werden können.

Osterburg – In Osterburg soll der Wind künftig nicht nur reichlich Geld in die Stadtkasse wehen, sondern auch auf die Sparkonten interessierter Bürger. Möglich machen dies die drei Windräder des Windparks Osterburg im Südwesten der Hansestadt.

Über die Details informierten Bürgermeister Nico Schulz (Freie Wähler) und Fabian Schwarzlose, Geschäftsführer der Stendaler FEFA Projekt GmbH, während der jüngsten Sitzung des biesestädtischen Stadtrates. Demnach sollen die drei Windenergieanlagen (WEA) in den nächsten Tagen in Betrieb gehen und am 20. März offiziell ihrer Bestimmung übergeben werden.

Die Stadt Osterburg profitiere von den Windrädern laut Bürgermeister auf zwei Wegen. Zunächst fließen die Pachterträge von zwei WEA auf städtischem Boden direkt ins kommunale Geldsäckel. Laut Schulz seien dies zunächst 70 000 Euro jährlich. Hinzu komme dann noch die indirekte Gewinnbeteiligung über die am Windpark beteiligten Energiewerke Osterburg als 51-prozentige Tochter der Stadtwerke Osterburg.

„Ganz wichtig ist aber die Bürgerbeteiligung“, so Schulz weiter. Diese werde nun über die Vergabe von Sparbriefen realisiert. Dazu stellte Schwarzlose vom Windpark-Projektsteuerer dem Stadtrat drei Varianten vor. Die auszugebenden Sparbriefe haben jeweils eine Laufzeit von sechs Jahren. Sie sollen im März und April bei der VR Plus Altmark-Wendland gezeichnet werden können. Laufzeitbeginn sei im dritten Quartal 2020. Eine vorzeitige Kündigung sei, so Schwarzlose, nicht möglich. Mit deutlicher Mehrheit gab der Rat die Variante den Verzug, welche mit einem Anlagevolumen von 750 000 Euro eine Beteiligung von bis zu 1500 Bürgern möglich macht.

Dies jedoch nur bei der Mindesteinlage von 500 Euro. Bei der Maximaleinlage von 5000 Euro könnten nur 150 Bürger zeichnen. Die Verzinsung liege laut Modellvorstellung pro Jahr bei 3,3 Prozent und damit deutlich höher als das, was Banken in den derzeitigen Niedrigzinszeiten für Sparanlagen zahlen. Allerdings sei noch nicht geklärt, wann die Zinsen ausgezahlt werden, jährlich oder am Ende der Laufzeit. Zeichnungsberechtigt seien alle Bewohner des Postleitzahlgebietes 39606. Die beiden anderen vorgestellten Varianten hätten zwar jeweils eine jährliche Verzinsung von 4,9 Prozent vorgesehen. Beim Gesamtvolumen von 500 000 Euro könnten hier aber nur 50 bis 500 beziehungsweise 100 bis 1000 Bürger die Sparbriefe erwerben.

Aus dem Stadtrat war am Dienstagabend weitgehend Zustimmung zu vernehmen. Einzig Sandra Matzat (AfD) kritisierte das Sparbrief-Modell. Sie sah damit nämlich die Entscheidung der Regionalen Planungsgemeinschaft Altmark unterlaufen, weil das von ihr vor fünf Jahren entsprochene Nutzungskonzept als Bürgerbeteiligung die Genossenschaft vorsah. So heißt es unter anderem im damals eingereichten Nutzungskonzept: „Um die Bürger am Windstrom beteiligen zu können, ist die Gründung einer Genossenschaft/Bürgerwindenergieanlage geplant, die eine der drei Windenergieanlagen betreiben soll.“ Dies bestätigte der Bürgermeister auch. Zugleich erklärte Schulz aber, das jetzt gewählte Modell sei für die Bürger „noch besser“ und „nicht so aufwändig“ wie die Gründung und der Betrieb einer Genossenschaft.

VON FRANK SCHUMANN

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