Zwei Stadträte kritisieren Zustände im landwirtschaftlichen Verkehr

Osterburg: Sorge um die Straßen

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Aufgrund entstandener Schäden wegen der starken Beanspruchung durch landwirtschaftliche Nutzfahrzeuge, wurde in Schmersau dieser landwirtschaftliche Weg gesperrt.

Osterburg – Derzeit ist Hochsaison für die Ernte. Dementsprechend viele landwirtschaftliche Nutzfahrzeuge bewegen sich auf den Straßen der Einheitsgemeinde Osterburg. Nach Auffassung zweier Stadträte hat der Verkehr in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen.

Matthias Müller (CDU), Ortsbürgermeister in Gladigau, und der in Schilddorf wohnende Jürgen Emanuel (Die Linke) meldeten sich in der Stadtratssitzung am Dienstag zu Wort. „Die Zahl der Maschinen ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Und sie sind auch noch größer geworden“, sagte Emanuel gestern gegenüber der AZ. Die starke Beanspruchung der genutzten Straßen führe außerdem zu Schäden an einigen Straßen. „Manche Straßen haben Spurrillen, die wir früher in dieser Größe nicht kannten.“ Der Kommunalpolitiker hat zwar Verständnis dafür, dass die Betriebe wirtschaftlich arbeiten müssten, doch sieht er teilweise eine Beeinträchtigung der Lebensqualität der Anwohner. „Teilweise höre ich die Maschinen nachts um 2 Uhr, wenn sie an unserem Haus vorbeifahren.“

Darauf angesprochen, verweist Nando Flügel, Geschäftsführer des Osterburger Standortes der Osters & Voss Altmark Agrarservice GmbH, auf die besonderen Umstände in diesem Sommer: „Wir kommen mit der Maisernte kaum hinterher. Wir würden ja auch gerne von 7 bis 16 Uhr arbeiten, aber das geht nun mal nicht“. Für die Anwohner tue es ihm leid. Der Hitzesommer habe dafür gesorgt, dass die Ernte möglichst schnell abgeschlossen sein müsse. „Wir müssen die Ernte so schnell wie möglich einfahren.“ Aus diesem Grund sei es punktuell nötig, auch mal bis nach Mitternacht mit den landwirtschaftlichen Fahrzeugen zu fahren. Besonders störend empfindet Emanuel die Leerfahrten. Man könne sich kaum vorstellen, wie laut diese seien.

Gladigaus Ortsbürgermeister Müller hat vor allem eine Änderung ausgemacht. „Die Frequenz der Fahrten ist viel höher als früher.“ Erschwerend käme hinzu, dass es seiner Auffassung vor allem die Fahrer von Lohnunternehmen seien, die nicht genug Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmer nehmen würden. „Die fahren teilweise sehr aggressiv“, so Müller. In Extremfällen würden dann akute Gefahren für andere Verkehrsteilnehmer entstehen. „Und es ist ihnen vollkommen egal, ob sie unsere Dorfstraßen kaputt fahren.“ In Schmersau sei bereits auf einer Straße die Notbremse gezogen worden. Ein landwirtschaftlicher Weg, der sich in unmittelbarer Nähe des Dorfgemeinschaftshauses und der örtlichen Feuerwehr in Schmersau befindet, wurde aufgrund akuter Schäden vorübergehend gesperrt.

Auch Müller macht deutlich, dass die Unternehmen wirtschaftlich arbeiten müssten. „Nur darf es nicht sein, dass dies auf Kosten unserer Straßen und teilweise auch auf Kosten der Sicherheit geht.“ Aufgrund der enormen Breite der Erntemaschinen sei es daher zwingend erforderlich, dass alle Beteiligten mehr Rücksicht aufeinander nehmen müssten.

Laut dem Stadtratsvorsitzenden, Bio-Landwirt Thorsten Werner (CDU), gibt es von den Unternehmen eine freiwillige Selbstverpflichtung, die zum Inhalt hat, dass rücksichtsvoll gefahren wird. Die Stadträte Emanuel und Müller merken davon allerdings nichts.

VON TOBIAS HENKE

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