Kreismuseum will konservierte wiedergefundene Platten zeigen

Osterburg: Jüdische Grabsteine rücken in Fokus

Drei der fünf restaurierten Steine. Der Ist-Zustand ist konserviert worden, mehr wurde bewusst nicht gemacht. Die Platten befinden sich noch in Arbeitsräumen des Museums, abseits der Besucher. Das soll sich in absehbarer Zeit ändern.
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Drei der fünf restaurierten Steine. Der Ist-Zustand ist konserviert worden, mehr wurde bewusst nicht gemacht. Die Platten befinden sich noch in Arbeitsräumen des Museums, abseits der Besucher. Das soll sich in absehbarer Zeit ändern.

Osterburg – Die fünf Grabsteine vom jüdischen Friedhof erwähnt Frank Hoche in seinem Jahresbericht für das Kreismuseum Osterburg besonders.

Bei Erneuerungsarbeiten des Fußbodens im Museum an der Breiten Straße vor zwei Jahren kamen die Tafeln zutage, nach der Restaurierung kehrten sie 2019 dorthin zurück.

Die Steine stehen künftig wahrscheinlich mindestens im Schaudepot und sind damit öffentlich zugänglich. Die letzte Beerdigung auf dem Osterburger Friedhof soll vor mehr als 100 Jahren stattgefunden haben, heute existiert an der Fabrikstraße auch eine Erinnerungsstätte. Am Eingangstor prangt das Davidschild.

Zwei Davidsterne sind in das Tor an der Fabrikstraße eingelassen. Jüdische Friedhöfe sind für die Ewigkeit angelegt, auch wenn keine Bestattungen mehr stattfinden.

Die Stadt ließ den Friedhof Mitte der 1930er-Jahre beräumen, Steine wurden zwischengelagert, ausgerechnet der einstige Besitzer des heutigen Museumsgebäudes soll einige erstanden haben, Geschichte geht manchmal seltsame Wege. Jüdisches Leben in Osterburg hat es mindestens schon im 14. Jahrhundert gegeben und danach immer wieder einmal. Kreismuseum und Gymnasium haben dazu bereits geforscht. Die Jüdenstraße, der Friedhof, die Stolpersteine in Erinnerung an Nazi-Opfer, ein Bürgermeister mit jüdischen Wurzeln kurz nach dem Zweiten Krieg – all das und mehr gehört zur Biesestadt.

Das Kreismuseum hat vor allem die Geschichte des Osterburger Raums im Blick. Zur Sammlung dazu kamen zum Beispiel historische Dokumente der Pelikan-Apotheke, eine Aquarellsammlung und Fotos zu Osterburg aus alter Zeit. Das Museum veranstaltete den Ostermarkt, beteiligte sich am Internationalen Museumstag und am Sachsen-Anhalt-Tag in Quedlinburg, organisierte drei Konzerte, begleitete die Arbeit des Altmärkischen Heimatbundes ... Hoche und Kollegen organisierten sieben Sonderausstellungen, unter anderem eine zum 30. Jahrestag der politischen Wende im damaligen Kreis Osterburg.

Hoche betont in seinem schriftlichen Bericht, wie wichtig das Sammeln und Bewahren von Kulturgütern sei. Und: Das Museum habe einen Bildungsauftrag, den es zu erfüllen gelte. Für 2019 sind insgesamt 5653 Besucher gezählt worden, eine Steigerung von gut 25 Prozent gegenüber dem Jahr zuvor (die AZ berichtete). „Ziel für die Zukunft ist es, Besucherzahlen jenseits der 6000 zu erreichen“, schreibt der Leiter auch in seinem Resümee. Von der Arbeit des Museums hat Hoche in dieser Woche im Schul-, Sport- und Kulturausschuss des Kreistages in Stendal erzählt.

VON MARCO HERTZFELD  

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