Marktneubau im Norden nicht unumstritten

Osterburg: „Die Innenstadt blutet aus“

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Ein Schild wie in Wittenberge könnte bald am Norma-Markt an der Ballerstedter Straße in Osterburg stehen.

Osterburg – Ein neuer Lebensmittel-Discounter ist in Osterburgs Norden geplant, direkt an der Bundesstraße 189. Dazu ließ die Stadt einen Bebauungsplan „Sondergebiet großflächiger Einzelhandel“ erarbeiten.

Auf der jüngsten Sitzung des Bau- und Wirtschaftsförderungsausschusses am Montagabend fasste das Gremium einen Beschluss über die Abwägung zum Vorentwurf des besagten Plans.

Wenn der neue Markt fertig sei, blute die Innenstadt aus, prophezeien einige Kommunalpolitiker.

Zuvor stellte Architekt Thomas Jansen den Stand der Dinge vor. So müsse beispielsweise die Fläche der Bebauung aus dem Landschaftsschutzgebiet „Ostrand der Arendseer Hochfläche“ noch herausgelöst werden. Dass dies gelingt, davon ist Jansen überzeugt. Obwohl die Kommunalpolitiker grundsätzlich für die Errichtung des Marktes sind, da es ein vielfacher Wunsch der Einwohner im Norden sein soll, haben einige Bedenken.

Es werden Nachteile für den Einzelhandel in der Innenstadt befürchtet. Osterburgs Ortsbürgermeister Klaus-Peter Gose begrüßt zwar den Neubau, aber als ehemaliger Kaufmann hat er Sorge. Verschiedene Einzelhändler haben die Stadt schon verlassen, andere kämpfen ums Überleben. Grund für Goses Unbehagen ist die Tatsache, dass sich in dem neuen Markt Fleischer und Bäcker ansiedeln, die Konkurrenz zu den Anbietern im Zentrum aufbauen.

Doch laut Jennifer Gores, Entwicklungsleiterin vom Norma-Logistikzentrum Mittelelbe in Magdeburg, muss der Norma-Markt aus wirtschaftlichen Gründen Bäcker und Fleischer anbieten. Bei Letzterem handelt es sich übrigens um ein Unternehmen, das seit Jahren schon an der Breiten Straße präsent ist. Für den sachkundigen Einwohner im Ausschuss, Fabian Rieger, steht fest: „Für die Innenstadt ist der Markt Gift, wir bluten aus.“ Der Markt schaffe einen Präzedenzfall für andere neue Discounter, meint der Osterburger.

Ursprünglich sollte der vorhandene Norma-Markt an der Ballerstedter Straße abgerissen und neugebaut werden, da die Kapazitäten zu gering sind. Er sei zu klein, weiß Gores. Doch der Landkreis erteilte dem Ansinnen vor etwa fünf Jahren eine Absage. Wie mit der Immobilie an der Ballerstedter Straße nach dem Umzug weiterverfahren werden soll, steht in den Sternen. „Eventuell könnte dort ein Handwerksbetrieb einziehen. Die Lage an der B 189 hat Vorteile“, äußerte Planer Jansen.

Es könnte auch in eine andere Richtung laufen, nämlich dauerhafter Leerstand und ein Schandfleck. Beispiele gibt es dafür in mehreren Orten, so auch in Wittenberge. An der Wahrenberger Straße steht ein Discounter-Gebäude seit vielen Jahren leer und gammelt vor sich hin.

Dennoch: Bürgermeister Nico Schulz freut sich auf den neuen Norma-Markt im Norden. Profitieren werden davon die Einwohner in diesem Bereich und auch die sich in der Nähe befindende Landessportschule. Planer Jansen: „Die Leute müssen dann nicht mehr in die Innenstadt laufen und haben kurze Wege.“ Und diese Worte bekräftigen die Skepsis von Gose und Rieger zum neuen Markt: „Die Innenstadt blutet aus.“

VON THOMAS WESTERMANN

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