Walter und Gerda Baumgart

Ehrenbürgermeister feiert Gnadenhochzeit

Zahlreiche Vertreter der Biesestadt und der Einheitsgemeinde konnte das Jubelpaar Walter und Gerda Baumgart an ihrem Ehrentag in Empfang nehmen. Der 92-jährige Ehrenbürgermeister ist immer noch am politischen Geschehen interessiert. Foto: Wagner

OSTERBURG -  „Die heirate ich oder keine“, dachte sich Walter Baumgart als er seine Gerda vor 72 Jahren das erste Mal sah. Liebe auf dem ersten Blick also, als sie damals im Jahre 1942 ihre Arbeitsstelle im gleichen Betrieb antrat.

Am Dienstag feierten sie die Gnadenhochzeit, seit 70 Jahren gehen sie also gemeinsam durch das Leben. Und das hatte zahlreiche Turbulenzen für sie parat. Beide stammen aus Niederschlesien, er diente im Zweiten Weltkrieg. Noch im Jahr des Kennenlernens, Walter Baumgart war auf Fronturlaub, feierten die beiden Verlobung. „Das hat sich so ergeben“, berichtet der Ehrenbürgermeister der Biesestadt lächelnd. Verlobt haben sie sich am Nikolaustag, zwei Tage später zog der nunmehr 92-Jährige wieder in den Krieg, es verschlug ihn nach Stalingrad. Geheiratet wurde dann am 1. April 1944 in Steinau an der Oder. Zeit wollten die beiden auf keinen Fall verlieren. „Damals musste man 21 Jahre alt sein, um heiraten zu dürfen“, erinnert sich Walter Baumgart zurück. So kam es, dass seine Verlobte noch am 31. März ihre Volljährigkeit feierte und am nächsten Tag schon die Hochzeitsglocken läuteten. Nach kurzer Gefangenschaft ging es 1945 nach Hause, aber der gelernte Getreidekaufmann und seine Frau mussten aus Niederschlesien flüchten. Im gleichen Jahr erblickte der erste Sohn Wolfgang das Licht der Welt, und die Baumgarts landeten in Dittersdorf. Der Osterburger wurde Dienstverpflichteter, erst in Bitterfeld und später auch in den Harz als Waldarbeiter und Köhler.

1947 trat er der Liberal-Demokratischen Partei Deutschlands (LDPD) bei. Ziel war es, den kommunistischen Bürgermeister abzusetzen. Nur zwei Jahre später gelang dies auch. Vom Landesverband wurde er 1951 nach Osterburg versetzt. In der Biesestadt war er 35 Jahre lang als Bürgermeister der ehemaligen Kreisstadt tätig. Die beiden Söhne Detlef und Uwe wurden in der Biesestadt geboren. Gestern feierte das Jubelpaar im Kreise der Familie.

Übrigens hat der Ehrenbürgermeister, dessen Bild auch das Rathaus ziert, nicht das Interesse am politischen Geschehen in Osterburg und Umgebung verloren. Er freut sich sehr, dass aktuell angestrebt wird, die gesamte Verwaltung zentral im Rathaus und im Nachbargebäude unterzubringen: „Endlich wieder alles an einem Standort.“

Von Berit Wagner

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