Rokoko-Perle im siebten Himmel

Orpensdorfer rosa Sakralbau avanciert endlich zur Hochzeitskirche

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Eine Augenweide ist die Orpensdorfer Kirche allemal, obwohl der Zahn der Zeit auch an ihr nagt.

Orpensdorf – Norbert Lazay fällt ein Stein vom Herzen. Das rosa Rokoko-Gotteshaus in Orpensdorf kann nach einigem Hin und Her endlich saniert werden und zur Hochzeitskirche avancieren. Der Denkmalschutz hat grünes Licht gegeben. Und der Förderbescheid ist eingetroffen.

97.000 Euro kommen aus dem Leader-Programm, insgesamt stehen knapp 130.000 Euro zur Verfügung.

Der Pfarrer hat Anfang Juli noch ein größeres Gespräch mit dem lokalen Leader-Vorstand. Läuft auch so alles glatt, beginnen die Arbeiten vielleicht sogar schon im August. Der Gladigauer merkte Dienstagfrüh gegenüber der AZ an: „Ich bin frohen Mutes. “ Zwischenzeitlich hatte er schon fast den Glauben an das ambitionierte Projekt verloren.

Wer genau hinsieht, entdeckt schnell Schäden.

Ob es wirklich ein Rundumschlag werden kann, muss sich zeigen. „Wir müssen sehen, was wir mit der Summe letztendlich bewegen können.“ Die unverwechselbare Fassade in Rosa, Weiß und Grün muss erneuert werden, genauso das Dach des Hauptschiffs. Am Turm sollen die Wasserschäden beseitigt werden, überhaupt gehört die gesamte Ableitung für Regenwasser auf den Prüfstand. „Ein nächster Schritt wären Arbeiten im Inneren, vor mehreren Jahrzehnten muss es einmal einen Schwammschaden gegeben haben.“ Vor allem müsse die Decke gestrichen werden. Wenn es keine bösen Überraschungen gebe, blieben die Aufgaben dank einer größeren Renovierung 1979 innen überschaubar.

Nach mindestens acht langen Jahren kann das Vorhaben umgesetzt werden. Künftig sollen in der Kirche auch standesamtliche Hochzeiten stattfinden und nicht nur christliche. Allzu oft hätte sich die Tür für evangelische und katholische Paare in jüngerer Vergangenheit nicht geöffnet, überhaupt gebe es in der Region nun einmal immer weniger Christen. Wer in Orpensdorf den Bund der Ehe schließen will, muss auch nicht aus der Gemeinde kommen. „Das Konzept ist die Zukunft, denn sonst hat die Kirche keine Zukunft“, bringt es der Pfarrer auf den Punkt. „Streng genommen hatten wir schon vor gut drei Jahren das erste Paar. Es lebt in Westdeutschland, von der Kirche hatten beide über Verwandte erfahren.“

Das eher zierlich wirkende Gotteshaus, 1747 errichtet, fällt aus dem Rahmen, allein schon wegen der ungewöhnlichen Farbgebung. Nach dem Tod von Gutsbesitzer Gustav Falck 1743 heiratete Witwe Anna Katharina Kraatz den bekannten Berliner Baubeamten Friedrich Wilhelm Diterichs. Die Orpensdorfer Kirche ähnelt in vielem der Schlosskirche Buch in Berlin, die ebenfalls nach Entwürfen des gebürtigen Uelzeners entstand, ist allerdings ob der begrenzten finanziellen Mittel schlichter gehalten.

Norbert Lazay, Pfarrer in Gladigau.

Was viele nicht wissen dürften: Diterichs hat auch maßgeblich am Bau des Schlosses Sanssouci in Potsdam mitgewirkt. Für Pfarrer Lazay schließt sich ein Kreis: Die rosa Rokoko-Perle ist einst durch eine Hochzeit erst möglich geworden und nun sollen Hochzeiten vieler Art ihre Zukunft sichern.

Eine rosa Kirche wie im Gladigauer Ortsteil gibt es weit und breit nicht. Ob seines lieblichen Äußeren scheint der Sakralbau wie geschaffen für ganz besondere Anlässe. Der Pfarrer hat bereits die schönsten Bilder im Kopf: preußisches Rokoko, Sonnenschein, Romantik pur. Die Arbeiten sollen möglichst zügig abgeschlossen sein, weil Leader sicherlich auch bestimmte Zeitgrenzen setze.

Lazay, der auch Vorsitzender des Altmärkischen Heimatbundes ist, will rechtzeitig in die Vermarktung der Kirche gehen und denkt dabei naturgemäß zunächst an Hochzeitsmessen. „Spätestens dann sollte es auch erste Anmeldungen geben“, ist der Familienvater im Gespräch mit der AZ überzeugt.

VON MARCO HERTZFELD  

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