Schüler schaut in den Ferien Gerätewart über die Schulter und freut sich aufs Feuerwehr-Praktikum

„Opfert gern ein bisschen Freizeit“

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Ein Blick auf Osterburg an einem ruhigen Vormittag im Februar, rechts ist die Nicolaikirche zu sehen. Die Drehleiter bringt Einsatzkräfte auf mindestens 30 Meter Höhe.

Osterburg. Die Sirene auf dem Dach sieht gut aus. Und die Drehleiter funktioniert reibungslos. Justin Joachims Daumen geht nach oben. Der 14-Jährige verbringt einen Teil der Winterferien bei der Feuerwehr, etwa zwei Stunden in der Früh, noch einmal so viel am Nachmittag.

Und das absolut freiwillig, wie der Osterburger mit einem breiten Lächeln versichert. Zeit, um daheim die Beine hochzulegen, bleibe ja dennoch. „Ich will unbedingt dazulernen, da opfert man doch gern ein bisschen Freizeit“, unterstreicht der Achtklässler im Gespräch mit der AZ. Im März wird es für ihn sogar richtig offiziell und mit Blick auf ein mögliches Berufsfeld noch ein Stück wichtiger: Der Junge absolviert ein zweiwöchiges Schülerpraktikum bei den Brandschützern.

Schüler Justin Joachim (l.) und Mentor Peter Klinke im Korb der Drehleiter.

Peter Klinke, hauptamtlicher Gerätewart der Feuerwehr, lässt sich gern über die Schulter schauen. „Junge Leute wie Justin müssen wir fördern und natürlich auch fordern.“ Der Sekundarschüler mischt seit drei, vier Jahren bereits in der Jugendwehr mit. Dass er später einmal zu den aktiven Brandschützern wechseln wird, scheint ausgemacht. Geschenkt werde aber auch diesem engagierten Nachwuchs nichts. „Warum auch?! Justin schnuppert momentan etwas mehr rein als andere. Ich zeige ihm unsere Technik, erkläre und er stellt Fragen. Sein Lern- und Aufgabenfeld ist recht groß. Der Junge kann bei der wichtigen Nachbesprechung von Einsätzen dabei sein, er fegt aber auch einmal die Halle, nicht mehr und nicht weniger.“ All zu viele junge Leute kann Klinke schon rein aus organisatorischen Gründen nicht direkt unter seine Fittiche nehmen. In der Regel bleibt es bei einem Schülerpraktikanten im Jahr.

Justin ist Feuer und Flamme für den Brandschutz, doch soll es nicht unbedingt auf die Berufsfeuerwehr hinauslaufen, die es ja sowieso nur in größeren Städten wie Magdeburg und Halle gibt. „Es zieht mich eher in den Rettungsdienst, ich möchte Notfallsanitäter werden, wenn ich denn alle Voraussetzungen erfüllen kann.“ Was viele Leute nicht wissen: In einigen Teilen Deutschlands erledigt die Feuerwehr auch medizinische Notfalleinsätze.

Seine Familie hat das Helfen quasi verinnerlicht, die einen Großeltern mit der freiwilligen Feuerwehr, die anderen mit dem Rettungsdienst. Wo der junge Osterburger irgendwann einmal arbeiten wird, ist reine Zukunftsmusik. Der ehrenamtlichen Feuerwehr in seiner altmärkischen Heimat möchte er aber auf jeden Fall so lange wie möglich verbunden sein.

Von Marco Hertzfeld

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