Offene Radwegkirchen an der Elbe

Lichtobjekte am Eingang täuschen über den erbärmlichen Zustand des Gotteshauses hinweg.

Räbel - Von Walter Schaffer. Am Vorabend des Dorffestes in Räbel fand in der Dorfkirche der 27-Seelen-Gemeinde eine Veranstaltung zum Sanierungskonzept des Gotteshauses statt. Anlässlich ihrer inzwischen mit sehr gut abgeschlossenen Masterarbeit stellte die Diplom-Ingenieurin Katrin Wude aus Potsdam wesentliche Punkte ihrer Arbeit einem breiten Publikum in der voll besetzten Kirche vor.

Die kleine gotische Backsteinkirche mit Fachwerkturm wurde als solche jahrzehntelang nicht mehr genutzt und ist sichtbar vom Verfall bedroht. Durch die Aufnahme der Kirche in das Projekt „Offene Radwegkirchen an der Elbe“ gibt es nun die Möglichkeit, an finanzielle Fördermittel zur Sanierung und Instandsetzung des Gebäudes zu gelangen. Besonders der Verein zur Erhaltung kirchlicher Baudenkmäler im Kirchspiel Werben hat sich die Erhaltung dieses Gotteshauses als eine Aufgabe gestellt. Die von Katrin Wude vorgelegte Masterarbeit soll die Grundlage für die Vorplanung und die Kosteneinschätzung dienen.

Seitens der Quellenforschung gab es nur wenig Anhaltspunkte für die einzelnen Bauabschnitte. Die verschiedenen Bauphasen wurden daher unter anderem mit Hilfe der Kartierung des Steinalters beziehungsweise des unregelmäßig verlaufenden Mauerwerksverbandes auf den entzerrten Fassadenbildern ermittelt. Daraus ergab sich als Bauzeit das Ende des 13. Jahrhunderts, wobei der fünfseitig polygonale Chorabschluss als ältester Teil anzusehen ist, der im Jahre 1890 stark überformt wurde.

Die Bestandsaufnahme der Mauerwerksschädigungen ergab ein breites Spektrum. Biologischer Bewuchs, Verunreinigungen und verschiedene Rückwitterungsformen sind ebenso vorhanden, wie der Totalverlust von Ziegeln im Außenbereich und fehlender Putz im Innern. Die Wandmalereien im Innenraum sind stark geschädigt und der größte Schaden trat erwartungsgemäß dort auf, wo der Deich mit der Friedhofsmauer im direkten Kontakt mit dem Chorbereich steht.

Bei der jüngsten Deicherhöhung wurde diese Problematik nicht berücksichtigt, und nun muss eine geeignete Lösung gefunden werden, wenn die Sanierung der Kirche erfolgreich sein soll.

Als wichtigste Maßnahme wurde im Vortrag eine umfangreiche Mauerwerkstrockenlegung, verbunden mit Entsalzung, angesehen. Diese Aufgaben standen beziehungsweise stehen auch in den beiden großen Kirchen in Seehausen und Beuster an vorderster Stelle. Erst wenn diese Maßnahmen greifen, kann mit einer Konservierung und Instandsetzung des Sichtmauerwerkes begonnen werden. Auch die Restaurierung der verputzten und bemalten Innenwandflächen ist zu diesem Zeitpunkt dann erst möglich.

Aufgrund der vorhandenen starken Feuchte- und Salzbelastung im Chorbereich sah die Fachfrau eine Chorfreilegung als empfehlenswert an. Verschiedene Varianten wurden von ihr aufgezeigt, die nicht nur das Gebäude aufwerten, den Hochwasserschutz berücksichtigen, sondern auch den weiteren Feuchte- und Salzeintrag dauerhaft unterbinden würden.

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