Hegering-Chef für gezielte Bejagung des Wolfes / Schultz erinnert sich an DDR-Isegrim 1968

Noch sind es nur Schnappschüsse

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Schnappschüsse aus dem Auto: Schultz kann drei Fotos vorweisen, auf allen sieht er einen Wolf. Auf einem laufe Isegrim über eine Straße bei Dobbrun, dann stehe er an der B 189 nahe Borstel und auf dem dritten Bild ist er unweit einer Tankstelle in Seehausen. Ob es sich um ein und dasselbe Tier handelt, weiß der 60-Jährige nicht. Auch über die Zahl der Wölfe im Landkreis Stendal, möchte er nicht spekulieren. „Eines scheint aber sicher: Der Wolf ist längst wieder in gewisser Anzahl vorhanden und zieht nicht nur einfach bei uns durch.“

Osterburg. „Es geht doch nicht um Ausrottung, es geht um Kontrolle, um einen vertretbaren Bestand. “ Reinhard Schultz, Vorsitzender eines Hegerings bei Osterburg, fordert die Aufnahme des Wolfs in das Jagdrecht.

Und zwar rasch und nicht erst, wenn Isegrim massenhaft durch die Kulturlandschaft laufe. „Es ist ein schönes, ein faszinierendes Tier, unbestritten, doch eben auch ein Fleischfresser, eine Gefahr für den Menschen und deren Besitz. Das darf es so unkontrolliert in der Altmark und auch anderswo in Deutschland nicht geben“, meint der 60-Jährige. Wenn der Wolf weiter derart erfolgreich vordringe, sollte es am besten schon in zwei, drei Jahren zu den ersten gezielten Abschüssen kommen.

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Dass der Wolf sich auch bereits den Norden des Landkreises Stendal neu erobert hat und nicht mehr nur erwartet wird, davon ist der Hohenberg-Krusemarker überzeugt. „Die Herren Naturschützer und Politiker erzählen uns doch nicht die Wahrheit.“ In seinem eigenen Revier habe er bereits im November 2007 das erste Mal ein Exemplar gesehen und seitdem auch immer wieder Spuren gefunden. Isegrim ist in Deutschland streng geschützt. „Auch andere Jäger in der Gegend haben längst ihre Erfahrungen gemacht und können einiges berichten. Man muss ihnen nur zuhören und sie ernst nehmen“, so das Mitglied der Jägerschaft Osterburg.

Das Thema Wolf sei sein Steckenpferd. „Die Leute wissen, dass ich mich damit beschäftige und schicken mir Fotos zu“, sagt Schultz und verweist auf drei Aufnahmen aus jüngster Zeit. Das erste Bild sei an der B189 am Abzweig Borstel nahe dem Tierheim entstanden, das zweite bei Seehausen und das dritte nahe Dobbrun. Ob es sich vielleicht um ein und dasselbe Tier handelt, lasse sich nicht sagen. „Es ist aber jedes Mal ein Wolf zu sehen“, ist Schultz überzeugt.

„Drei fotografierte Sichtungen eines Wolfes im Landkreis Stendal an einer Straße – das ist schon enorm.“ Im Internet ließen sich diese und sicherlich noch weitere Aufnahmen finden.

Schultz scheint regelrecht mit dem Wolf aufgewachsen. „Mein Opa war in russischer Kriegsgefangenschaft und hat viele Wölfe gesehen und hautnah erlebt. Er hat mir immer wieder über seine Erlebnisse erzählt.“ Der junge Reinhard verschlang Bücher über den Wolf, saß vor dem Fernseher, wenn es um Isegrim ging, und hat sogar ein Exemplar leibhaftig gesehen, wenngleich dieses auch mausetot gewesen sei. „Es muss 1968 gewesen sein. Ich hörte von einem geschossenen Wolf, der unter einem Hochspannungsmast bei Rochau liegen sollte, eilte dorthin – und tatsächlich: ein Wolf.“

Schultz ist sowieso der Meinung, dass der Wolf nie ganz verschwunden war, zumindest in Ostdeutschland nicht. „Wer das Gegenteil behauptet, der lügt.“ Den Rochauer Wolf habe er damals sogar fotografiert. „Ich habe das Bild mit einem großen, viereckigen Kamera gemacht. Das Schwarz-Weiß-Foto habe ich sicherlich noch irgendwo, ich muss es nur suchen.“ Schultz wurde in Flessau geboren und wuchs in Groß Schwechten auf. Erst wenige Jahre vor der politischen Wende habe er Jäger werden dürfen. „Ich war nicht ganz linientreu und hatte schon immer meinen eigenen Kopf.“

Von Marco Hertzfeld

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