Schüler aus der Kreisstadt lernen uriges Domizil des Schmiede-Vereins kennen / Sprecher Zahn: Integrationsarbeit verstärken

Neue Facette: Junge Syrer erobern Palisadenburg

+
Lothar Zahn (2.v.r.) hat gekocht, vegetarisch-afrikanisch. Die Schüler sind gespannt.

Polkau. Eine Handvoll junger Leute sitzt am Lagerfeuer, ein ganzer Haufen spielt auf der wilden Wiese nebenan Federball, einige stellen Kräuteressig her und füllen ihn in Flaschen, wieder andere erkunden weitere Bereiche der urigen Palisadenburg des Vereins „Die Schmiede“.

Die Zwölf- bis 17-Jährigen reden an diesem Vormittag arabisch, mitunter auch deutsch. Allesamt sind sie Flüchtlinge aus Syrien und besuchen die Stendaler Komarow-Sekundarschule. Die 25 Mädchen und Jungen lernen in Polkau eine nicht alltägliche Facette bundesdeutschen Lebens kennen, die sie noch einige Zeit beschäftigen dürfte. Dort ist nichts gerade, blitzblank und korrekt – bewusst nicht. Die Schüler stellen Fragen, hören zu, toben und essen, ein Ausflug offensichtlich ganz nach ihrem Geschmack.

Diesen Eindruck hat auch Schulsozialpädagogin Conny Förster: „Auch das ist Deutschland. Die Kinder sollen sehen, dass es nicht nur Stendal-Stadtsee gibt.“ Die Schmiede, ein Verein für Jugendaustausch und Kultur, hat sich im Dorf ein passendes Umfeld geschaffen. An der Schule im Plattenbaugebiet gibt es momentan sogar zwei internationale Klassen, alle Schüler stammen aus Syrien, einem Land, in dem noch immer der Bürgerkrieg tobt. „Hinter jedem Kind steckt ein Schicksal, wirklich jedes Kind hat seine eigene Geschichte“, weiß Klassenleiterin Gaby Fischer. Kollege Michael Meier sieht das genauso.

Die Sekundarschule in der Kreisstadt habe jede Menge Erfahrung, Integrationsklassen arbeiteten dort bereits seit mehr als 15 Jahren und nicht erst mit den jüngsten Umbrüchen auf dieser Welt. „Schulische und soziale Integration gehen Hand in Hand, die Eltern sind wichtig. Dann kann einiges gelingen, wenn auch nicht alles“, ist Förster überzeugt und spricht damit auch Lothar Zahn aus dem Herzen. „Wir wollen unsere Arbeit wieder verstärken“, kündigt der Vereinssprecher an. Der Kontakt zur Schule ist bei einer Demokratie-Tagung entstanden.

Von Marco Hertzfeld

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare