Osterburger Gymnasiasten machen Planspiel zur Europäischen Asyl- und Flüchtlingspolitik

„Menschen zählen mehr als Geld“

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So sehen clevere und smarte Europa-Politiker aus: Sie befassten sich in der biesestädtischen Bildungsstätte mit der Asyl- und Flüchtlingsproblematik.

Osterburg. Zehntklässler des Osterburger Markgraf-Albrecht-Gymnasiums betraten beim Planspiel zur Europäischen Asyl- und Flüchtlingspolitik die politische Bühne Europas.

Innerhalb des Sozialkundeunterrichts erarbeiteten sie beispielsweise Richtlinien über die Verteilung von Flüchtlingen in der Europäischen Union (EU). Die Schüler seien sehr gut vorbereitet und motiviert, sagt Lehrerin Undine Theiß. Und so war der Ablauf des Geschehens:.

Die Politik der Europäischen Union machte diesen Zehntklässlern des Osterburger Markgraf-Albrecht-Gymnasiums sichtlich Spaß. Die Schülerinnen und Schüler seien auf das Thema sehr gut vorbereitet und motiviert, sagt Sozialkundelehrerin Undine Theiß während des Planspiels, das die Friedrich-Ebert-Stiftung initiierte.

„Menschen zählen mehr als Geld“, sagte die Schülerin, die für einen Tag den Vorsitz im Ministerrat der Europäischen Union übernahm. Gemeinsam mit ihren 48 Mitschülerinnen und Mitschülern durfte sie in die Rollen der politischen Akteure der Europäischen Union schlüpfen. Als Mitglieder der Europäischen Kommission, des Europäischen Parlaments, des Ministerrats oder als Vertreterinnen und Vertreter unterschiedlicher Interessengruppen und der Presse gestalteten die Teilnehmenden in Eigenregie die europäische Politik. Alle waren mit großem Elan bei der Sache und spürten, wie schwierig es sein kann, die unterschiedlichen Meinungen, Vorstellungen und Interessen der politischen Lager innerhalb der Europäischen Union in einem Kompromiss zu vereinen. Die Schüler diskutierten hitzig die verschiedenen Aspekte der europäischen Asyl- und Flüchtlingspolitik. In ihrem Richtlinienentwurf sah die Europäische Kommission die Errichtung eines EU-Fonds vor, der von allen Mitgliedstaaten getragen wird und diesen finanzielle Hilfen bei der Versorgung von Geflüchteten ermöglichen soll. Dieser Vorschlag fand sowohl im Ministerrat als auch im Europäischen Parlament großen Anklang und wurde in den Nachverhandlungen zur Richtlinie mit kleineren Änderungen beschlossen. Die Europaabgeordneten diskutierten außerdem intensiv über eine mögliche Flüchtlingsquote, der sie letztlich, wie auch die Minister der Länder, zustimmten. Auch die Vertreter der Presse sowie der unterschiedlichen Interessengruppen beteiligten sich aktiv an den Debatten im Ministerrat und im Europäischen Parlament. „Die großen Interessenunterschiede bei den Fraktionen und Ministern lassen eine Kompromissfindung schwierig werden und führen oftmals zu großen Unstimmigkeiten“, sagte der Vizevorsitzende im Europäischen Parlament.

Ziel des Planspiels war es, ein besseres Verständnis für politische Entscheidungsfindung auf europäischer Ebene unter Einbezug von verschiedenen Standpunkten und Ansichten zu vermitteln. „Die europäische Politik ist sehr komplex, was die Auseinandersetzung mit ihr anstrengend macht. Ich finde es aber sehr gut, dass die Gremien immer auch Einspruch erheben können,“ sagte die Vizevorsitzende im Ministerrat.

Möglich gemacht wurde das Planspiel vom Landesbüro Sachsen-Anhalt der Friedrich-Ebert-Stiftung. „Bei der Simulation erfahren die jungen Leute hautnah, wie schwierig es ist, im demokratischen System für die eigene Meinung in Debatten einzutreten und Kompromisse auszuhandeln“, berichtet Dr. Ringo Wagner von der Friedrich-Ebert-Stiftung. Besonderes Lob gebührte an diesem Tag den Vorsitzenden und Vizevorsitzenden der Europäischen Institutionen. Sie hatten die Aufgabe, die Debatten anzuleiten und die verschiedenen Interessen in Einklang zu bringen. Am Ende waren sich die Gymnasiasten einig: Als Politiker muss man kompromissbereit und diplomatisch sein, braucht Durchhaltevermögen und muss für die eigene Meinung einstehen können.

Von Thomas Westermann

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