Mehr Polizisten als Demonstranten

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Die Organisatoren der Mahnwache haben sich mit Infoständen postiert.

Osterburg - Von Ivonne Bolle. Die Osterburger Ortsgruppe der Naturjugend (Naju) hat am Mittwoch um 19 Uhr die Mahnwache auf dem Bahnhofsvorplatz eröffnet. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits acht Polizeiwagen vor Ort.

Die Aktivisten haben drei Tische mit Infomaterial zu erneuerbaren Energien und Atomkritik, Tee und Keksen aufgebaut. „Wir waren dann schon elf“, sagte Juliane Bäthge von der Osterburger Naju. „Mittlerweile passten aber auch genauso viele Polizeiwagen auf uns auf.“ Gegen 20 Uhr wollten die Teilnehmer der Mahnwache ihr Vorhaben kurz unterbrechen, um sich aufzuwärmen. Doch immer mehr Menschen gesellten sich zu ihnen. Dann erhielten sie die Nachricht, dass der Zug vor 22 Uhr vorbeifahren könnte und so hielten sie weiterhin die Stellung am Bahnhof.

Als der Zug dann 22.10 Uhr Osterburg passierte, waren insgesamt 25 Polizeieinsatzwagen vor Ort. Die Teilnehmer wurden einzeln durch die Polizeikräfte gehindert, die Bahnsteige und die Brücke zu betreten. „Wir standen dann mit etwa 20 Leuten mit Fahnen, Plakaten und Kerzen vor dem Bahnsteig und meldeten die Durchfahrt an den Castorticker und an die Mahnwachen in Seehausen und Wittenberge“, berichtete Juliane Bäthge. Weitere 20 Interessenten waren ebenfalls am Bahnsteig, um den Castor zu sehen. „Danach waren wir ziemlich durchgefroren, aber auch sehr zufrieden nach Hause gefahren.“ Die Naturschutzjugend möchte sich ganz herzlich bei allen bedanken, die das Angebot einer Mahnwache wahrgenommen haben. „Wir freuen uns, dass wir so einige wütende Menschen unterstützen konnten, ihren Protest gegen die Atompolitik hier deutlich zu machen.“

Die Organisatoren waren über die positive Resonanz sehr überrascht. Sogar aus Walsleben und Schmersau kamen einige Leute angereist, um die Aktion der Naju zu unterstützen. Und es waren auch Schüler darunter, trotz Abi-Vorprüfung am nächsten Tag. Die Teilnehmer brachten kreativ gestaltete Schilder mit und tauschten sich intensiv über Erfahrungen mit anderen Protestaktionen aus.

„Trotzdem finden natürlich viele Menschen solche Aktionen ziemlich sinnlos und sagen, dass in Osterburg schon gar nichts Großes erreicht werden kann“, so Juliane Bäthge. Das bedauert die Osterburgerin. Denn ihrer Meinung nach sei es sehr wichtig, sich Gedanken über Atompolitik zu machen und zu einem Ökostromanbieter zu wechseln „und immer und überall so viel Strom sparen, wie man kann“. Das sei ebenfalls ein guter Weg, diese Politik zu bekämpfen. „Und das kann jeder mit Leichtigkeit jeden Tag tun. Nur schimpfen, hilft da nämlich auch nicht.“

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